... sind politische Leitbilder für die Entwicklung der Kommunen mit dem Schwerpunkt auf real erweiterte Gestaltungsmöglichkeiten der BürgerInnen. Diese Begriffe umfassen auch einzelne Schritte auf dem Weg zu diesem Ziel.
Warum haben diese Begriffe derzeit eine so hohe Bedeutung?
Die gesellschaftliche Diskussion um das Staatsverständnis erstreckt sich auch auf die Leistungsbreite und -tiefe der Kommunen: Was soll die Kommunalverwaltung selbst machen, was kann sie angesichts der knappen Kassen machen und was soll sie anderen Organisationen übertragen? Eine zweite Quelle für den Modebegriff "Bürgerkommune" ist die zunehmende Distanziertheit zwischen Staat im allgemeinen bzw. den Organen der Kommune im besonderen und den BürgerInnen. Die BürgerInnen erfahren angesichts dessen eine Aufwertung, zugespitzt im Begriff der Bürgerkommune. Durch bürgerschaftliches Engagement und durch mehr Transparenz sollen die beiden genannten Probleme entschärft werden.
Aus einem solchen Verständnis von "Bürgerkommune" folgt, daß die BürgerInnen nicht nur Adressat von Leistungen sind (als Klient, Kunde oder Untertan), sondern auch Mitgestalter des Gemeinwesens: Sie sind "Koproduzent" bei der Leistungserstellung und zugleich als Staatsbürger/in mit politischen Rechten "Auftraggeber". Im einzelnen umfaßt der Begriff "Bürgerkommune", daß Städte und Gemeinden
Die Aufzählung dieser zahlreichen Aspekte zeigt schon, daß mit Bürgerkommune verschiedene politische Inhalte verbunden und assoziiert werden können (ferner gibt es Überlappungen mit der Diskussion über Kommunitarismus. Je nach Akzentsetzung neigt sich das Pendel mehr zur Seite der aktiven Übernahme von Aufgaben (BürgerInnen als Koproduzenten bzw. Mitgestalter) oder zur Nutzung der bürgerschaftlichen Potentiale über Formen direkter Demokratie oder BürgerInnenbeteiligung. In der kommunalen Praxis überwiegt die erste Seite, da man davon ausgeht, daß hierdurch wichtige Beiträge zur Bewältigung der Finanzkrise geleistet werden können. Gleichwohl können Projekte, die wegen der Haushaltskonsolidierung initiiert wurden, eine Eigendynamik entwickeln, so daß es zu Qualitätssteigerungen in den öffentlichen Dienstleistungen oder zu mehr Mitsprache kommt.
Auch wenn es sich bei der "Bürgerkommune" um einen Modebegriff handelt, wäre es falsch, ihn als Eintagsfliege abzutun. Vielmehr gibt es von den verschiedensten Akteuren (Politik, Verwaltung, BürgerInnen, private und gemeinnützige Organisationen) Eigeninteressen, dieses politische Leitbild auszugestalten. Es kommt deshalb darauf an, die praktische Ausgestaltung in einer Kommune nach verschiedensten Ebenen zu untersuchen:
Entsprechend dieser Differenzierungen müssen die Instrumente bürgerschaftlichen Engagements gewählt werden, um Erfolge zu erzielen. Trotz der o. g. Eigendynamik ist es dabei wichtig, vorab die Ziele zu definieren.
Vom Konzept der Bürgerkommune wird erhofft, einen Ausweg aus der folgenden Zwickmühle zu bieten: "geringer werdende kommunale Handlungsspielräume bei zum Teil größer werdenden Problemlagen (...) und einer damit einhergehenden wachsenden Unzufriedenheit bei den Bürgern." (Holtkamp, siehe Literatur). Damit das Konzept diesem hohen Anspruch gerecht wird, müßten m. E. folgende Bedingungen gewährleistet sein:
Bogumil, J. / Holtkamp, L.: König Bürger. Zum Konzept der Bürgerkommune und des bürgerschaftlichen Engagements, in: AKP 1/2000, S. 43-47
Bogumil, J. / Vogel. H.-J.: Bürgerschaftliches Engagement in der kommunalen Praxis. Initiatoren, Erfolgsfaktoren und Instrumente, veröffentlicht vom Netzwerk "Kommunen der Zukunft. Eine Gemeinschaftsinitiative der Bertelsmann-Stiftung, der Hans-Böckler-Stiftung und der KGSt", 1999
Heinze, Rolf G. / Olk, T.: Bürgerengagement in Deutschland: Bestandsaufnahme und Perspektiven, Opladen 1999
Lars Holtkamp: Bürgerbeteiligung in Städten und Gemeinden. Ein Praxisleitfaden für die Bürgerkommune, Berlin 2000, ISBN 3-927760-37-4, 151 Seiten, 6 Euro
Vgl. zum Thema "Staatsverständnis" auch die Schlagworte "schlanker" und "aktivierender" Staat. http://www.staat-modern.de/index.html