Dasselbe in grün?

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Angaben zur Literatur:


Hrsg: Kurt Möller

Dasselbe in grün?

Verlag: Juventa
Ort: Weinheim/München
Erscheinungsjahr: 2010
Seitenzahl: 270
Preis: 24,95 €
ISBN 978-3-7799-2233-9

Vollständiger Titel[Bearbeiten]

Dasselbe in grün? – Aktuelle Perspektiven auf das Verhältnis von Polizei und Sozialer Arbeit

Inhalt[Bearbeiten]

  • Polizei und Soziale Arbeit – von Konfrontation und Substitution zu Dialog und Kooperation? Eine Einführung

I. Grundlegungen: Fachwissenschaftliche Perspektiven auf das Verhältnis von Polizei und Sozialer Arbeit[Bearbeiten]

  • Kurt Möller: Soziale Arbeit und Polizei. Sozialarbeitswissenschaftlich-pädagogische Eckpunkte einer Zweckbeziehung
  • Thomas Feltes: Polizei und Soziale Arbeit – die polizeiwissenschaftlich-kriminologische Sicht

II. Polizei- und Sozialarbeitspraxis: Problembereiche und Arbeitsfelder[Bearbeiten]

1. Fußballrandale

  • Andreas Piastowski: Polizei und Fanprojekte. Dialog und Kooperation im Spannungsfeld
  • Michael Gabriel: Fußballfans sind keine Verbrecher!? Das schwierige Verhältnis zwischen Polizei und Fanprojekten
  • Gunter A. Pilz: Gewalt und Gegengewalt. Zur Notwendigkeit von Dialog und Kooperation zwischen Polizei, Fanprojekten und Fans

2. Rechtsextremismus

  • Frank Buchheit und Gerd Maier: Wenn Polizei und Pädagogik gemeinsam nach den Rechten schau’n …
  • Stefan Müller, Vanessa Puschmann, Thomas Schleußner und Isabell Stewen: Sozialarbeit und Polizei im Problemfeld ‚Rechtsextremismus‘. Erfahrungen aus drei sozialarbeiterischen Praxisfeldern
  • Hans-Gerd Jaschke: Rechtsextremismus, Sozialarbeit und Polizei – neue Regelungsstrukturen?

3. Häusliche Gewalt

  • Barbara Petersen und Joachim Schloz: Möglichkeiten und Grenzen polizeilicher Krisenintervention in Fällen häuslicher Gewalt
  • Ingo Dinse und Iris Enchelmaier: Die Bekämpfung häuslicher Gewalt im Rahmen von Ordnungspartnerschaften mit der Polizei. Zur Arbeit der Stuttgarter Interventionsstellen für Frauen und Männer
  • Barbara Kavemann und Katrin Lehmann: Schutz bei häuslicher Gewalt – gemeinsam Gefährdung beurteilen, kooperativ Sicherheit organisieren

4. Drogen

  • Christian Buschan: Zum interprofessionellen Umgang mit Drogenkonsumierenden aus polizeilicher und polizeipsychologischer Sicht
  • Peter Menzi und Ueli Simmel: Polizei und Sozialarbeit: Zusammenarbeit aus Überzeugung oder einfach unumgänglich?
  • Marion Laging: Kooperation von Sozialer Arbeit und Polizei in der Suchthilfe

5. Interkulturelle Kontakte und Konflikte

  • Michael Kayser: Transfer interkultureller Kompetenz: Zur Kooperation von Polizei und Moscheevereinen
  • Gari Pavkovic: Kooperation zwischen Jugendhilfe und Polizei. Das Beispiel des Stuttgarter Bündnisses für Integration
  • Nils Schuhmacher: Teachers, Preachers, Friends or Cops. Sozialarbeit und Polizei im Kontext interethnischer Bezüge und Konflikte

6. Jugendliche Intensivtäter

  • Bernd Auracher: Kooperation von Sozialer Arbeit und Polizei beim Umgang mit jugendlichen Intensivtätern. Erfahrungen mit dem baden-württembergischen „Initiativprogramm Jugendliche Intensivtäter“ aus der Sicht der Polizei
  • Donald Bieß: Kooperation von Sozialer Arbeit und Polizei beim Umgang mit jugendlichen Intensivtätern. Erfahrungen mit dem baden-württembergischen „Initiativprogramm Jugendliche Intensivtäter“ aus der Sicht der Jugendgerichtshilfe
  • Claudius Ohder: Polizeiliche Intensivtäterprogramme – hohe Hürden für eine Kooperation mit Sozialer Arbeit

7. Prostitution

  • Werner Adamek: Die Verlagerung des Straßenstrichgebietes in Köln aus Sicht der Polizei
  • Anne Rossenbach, Monika Kleine und Angelika Wiedenau: Köln – Geestemünder Straße: Sozialarbeit auf einem legalen Straßenstrich
  • Elfriede Steffan: „Die im Dunkeln sieht man nicht“. Das schwierige Verhältnis von Polizei und Sozialer Arbeit im Prostitutionsmilieu

8. Sozialarbeit im Polizeidienst

  • Hans-Peter Reese: Jugendberatungsstellen bei der Polizei aus Sicht der Polizei
  • Hendrik Oelze: Jugendberatung bei der Polizei – ein Plädoyer aus sozialarbeiterischer Sicht
  • Titus Simon: Jugendberatungsstellen sind wichtig – aber dürfen nicht vorrangig bei der Polizei angesiedelt sein

9. Jugendrechtshäuser

  • Jürgen Lüth: Die Polizei im Wandel – Jugendrechtshäuser als Kooperationspartner?
  • Elisabeth Merkel: Dialog und Kooperation – Sozialarbeit und Polizei im Arbeitsfeld Jugendrechtshaus
  • Sigrun von Hasseln-Grindel: Das Miteinander von Sozialarbeit und Polizei im Jugendrechtshaus aus Sicht der Rechtswissenschaft und der Rechtspädagogik

Rezension von Dieter Emig (Karlsruhe, Juni 2011)[Bearbeiten]

Es fällt ins Auge. Thema dieses Buches ist ein hochambivalenter Bereich, die Kooperation von Polizei und Sozialarbeit – in den letzten Jahren unter dem Stichwort Prävention ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Irgendwie witzig, auch das Buch hat seine Ambivalenzen. Es entstand aus einer Tagung an der Hochschule Esslingen 2007, aus Referaten von Polizeifachleuten, Sozialarbeitern und Sozialwissenschaftlern. Warum es drei Jahre gedauert hat bis zur Drucklegung …? Eigentlich schade, denn seitdem hat sich vieles weiter entwickelt. Das merkt man manchen Aufsätzen auch an. Viel Berührungsangst seitens der Sozialarbeit, erstaunliche Offenheit seitens der polizeilichen Referenten, teils aus dem Polizeidienst, teils Dozenten an Polizeifachhochschulen.

Das eigentlich Spannende sind die Schilderungen aus den brisanten Lebenswelten, in denen sich die Kooperation von Polizei und Sozialarbeit vollzieht, aufdrängt oder von oben verfügt wird. Die seien mal ganz banal aufgezählt, weil sie für Kommunalos/as im Sozialbereich durchaus viel Anschauung und Hintergrund vermitteln – woraus sich eine ernsthafte Leseempfehlung ergeben soll: Fußballrandale, häusliche Gewalt, Drogen, interkulturelle Kontakte und Konflikte, jugendliche Intensivtäter, Prostitution, Sozialarbeit im Polizeidienst und last but not least Jugendrechtshäuser, dargestellt an avancierten Projekten, erstaunlich oft aus Baden-Württemberg. Zu jedem Themenbereich je ein Referat aus der beteiligten Sozialarbeit und der Polizei, jeweils abgeschlossen mit einem beurteilenden Beitrag der akademischen Sozialwissenschaft. Leider oft in Alt-68er-Manier kritizistisch bemüht, abgleitend bis ins Oberlehrerhafte. Alles in Allem eine konzentrierte Darstellung aus Lebenswelten, in denen Gewalt, Kriminalität, Diskriminierung eine besondere Rolle spielen, aus „Rändern“ der Gesellschaft, in denen das Verhältnis von Hilfe und Sanktion sich immer wieder neu stellt und neu entschieden werden muss – nicht zuletzt von der Politik.

Seit 2007 hat sich da viel fortentwickelt. Dennoch dürften viele der damaligen Startprojekte bis heute Vorbildcharakter vor Ort haben. Von den beiden Anfangsbeiträgen des Herausgebers bitte nicht abschrecken lassen, vielleicht einfach erst mal überblättern. Man muss nicht die Frankfurter Schule inhaliert haben, um zum Beispiel als Sozial- und/oder Jugendausschussmitglied anschließend einen spannenden Anschauungsunterricht über Lebenswelten zu genießen, die wir meist nur vom Hörensagen kennen. Die uns aber oft politische Entscheidungen abverlangen, die Lebensschicksale von Menschen in problematischen Lebenslagen massiv beeinflussen.

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