Demenz

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Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft versteht unter Demenz "(...) in unterschiedlicher Zusammensetzung auftretende Störungen geistig-seelischer Leistungen wie Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und praktisches Geschick bei klarem Bewusstsein, wodurch die Bewältigung des Alltags entscheidend erschwert wird.“ Diese psychiatrische Erkrankung kann verschiedene Ursachen haben, die häufigste ist mit etwa 70 % die Alzheimer-Erkrankung.

Demenzen sind einer der wichtigsten Gründe für Pflegebedürftigkeit, und Präventionsmöglichkeiten sind bislang sehr begrenzt. Mit dem Lebensalter steigt die Häufigkeit der Demenzerkrankungen bei gleichzeitig ansteigender Lebenserwartung: 1999 litten 900.000 Menschen in Deutschland an einer mittelschweren bis schweren Demenz. Wenn in Prävention und Therapie kein Durchbruch erfolgt, wird prognostiziert, dass es 2020 1,4 Millionen Demenzkranke gibt. 2050 sollen es 2 Millionen sein.

Daher wird diese Erkrankung ein immer wichtigeres Thema der Altenhilfe. Derzeit werden 60 % der Erkrankten von den Angehörigen betreut. Dieses – für die Angehörigen sehr belastende – Versorgungssystem wird sich in dieser Form nicht aufrecht erhalten lassen: "Bis 2050 wird die Gruppe der 80- bis 90-Jährigen um etwa vier Millionen (160 %) zunehmen und die der über 90-Jährigen um eine Million (236 Prozent). Die Zahl der Demenzkranken wird sich mit geschätzten über zwei Millionen Kranken mehr als verdoppeln. Deutlich zunehmen wird auch die Zahl der alten pflegebedürftigen Menschen, die allein leben. Das familiäre Unterstützungspotenzial wird durch die zunehmende Berufstätigkeit der Töchter sowie dadurch, dass immer mehr Kinder und Enkelkinder für mehr als zwei Eltern oder mehr als vier Großeltern als potenzielle Helferinnen und Helfer infrage kommen werden, erheblich eingeschränkt. Die hochaltrigen Menschen werden zunehmend von alten Angehörigen betreut."[1]

Mehr stationäre, Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen sind die auf der Hand liegenden Verbesserungsvorschläge, noch wichtiger scheint aber die Vernetzung der Hilfssysteme und ein Konzept für die Betreuung hochaltriger Pflegebedürftiger zu sein, das mehr Zwischenformen zwischen stationärer und häuslicher Versorgung beinhaltet.

Logo des Halma e.V.

Kommunale Netzwerke[Bearbeiten]

Als erste Kommune, die systematisch begann, Angebote für Menschen mit Demenz aufzubauen, gilt Würzburg. Im Rahmen eines bundesgeförderten Modellprojekts entstand ab 1992 der Trägerverein HALMA e.V. - Hilfen für alte Menschen im Alltag als Zusammenschluss der Stadt Würzburg, der fünf Würzburger Wohlfahrtsverbände sowie weiterer Organisationen. Im Rahmen dieses Vereins sind heute mehr als 70 Frauen und Männern als Alltagshelfer/innen tätig, die Angehörige von Demenzkranken entlasten.

Ein weiteres Beispiel für ein kommunales Netzwerk zur besseren Versorgung und Betreuung Demenzkranker ist das Demenz-Netzwerk im Landkreis Schwandorf (DeNiS), das Angebote bündelt und vernetzt. U.a. entstanden dort Helferkreise, Betreuungsgruppen und Gesprächskreise für Angehörige.[2] Die Demenzinitiative für Stadt und Landkreis Bamberg brachte u.a. das Projekt "Geschulte Partner" auf den Weg, in dem bis zum Sommer 2016 ca. 150 Personen - Einzelhändler, Gastronomen, Dienstleister, Bankangestellte und Behördenmitarbeiter/innen - in einem Crashkurs einen halben Tag lang für den Umgang mit dementen Menschen sensibilisiert wurden.

Im Landkreis Saarlouis (Saarland) hat der Demenz Verein Saarlouis e.V. ein gerontopsychiatrisches Netzwerk mit dem Schwerpunkt Demenz gegründet. Innerhalb dieses Netzwerkes wurde zusammen mit Wohlfahrtsverbänden, Diensten, Einrichtungen, Kommunen, Vereinen und anderen Partnern eine Plattform Demenz gegründet mit dem Ziel, die vorhandenen Hilfen für Menschen mit Demenz zu vernetzen und zu optimieren und Impulse dafür zu geben, neue Hilfen zu etablieren und auszubauen. Seit dem 10.01.2017 sind alle Kommunen im Landkreis Mitglieder des Netzwerkes.[3]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Bundesregierung: Vierter Altenbericht, 2002
  2. Siehe Landkreis Schwandorf, Demenz-Neztwerk im Landkreis Schwandorf, Flyer mit allen Angeboten, pdf-Format
  3. Mehr zum Netzwerk: SZ Nalbach, Interview mit Erik Leiner vom Demenz-Verein, 09.01.2017

Siehe auch[Bearbeiten]