Der letzte Schultag – Die Amoktat von Winnenden

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Angaben zur Literatur:


Autor(en): Göran Schattauer


Der letzte Schultag – Die Amoktat von Winnenden

Verlag: Verlag Militzke
Ort: Leipzig
Erscheinungsjahr: 2010
Seitenzahl: 192
Preis: 16,90 €
ISBN 978-3-86189-828-3

Rezension von Dieter Emig (Karlsruhe)[Bearbeiten]

Warum ein Buch über Winnenden? Gibt es noch was, was nicht schon an die Öffentlichkeit gerissen wurde? Von Reportern, Fotografen, Fernsehteams, die wie die Heuschrecken in Winnenden einfielen, noch während das Töten und Sterben im Gange war? Die den unter Schock und Trauer stehenden Menschen noch ein zusätzliches Trauma bescherten? – Ausgesaugte einer Medienschlacht, die eine atavistische Neugier bedient und dem fernen Publikum kathartische Erleichterung verschafft, auch dieses Mal von etwas, das Jeden treffen kann, verschont geblieben zu sein.

Am 11. März 2009 wird der Autor - unterwegs zu einem anderen Berichtsauftrag – von seiner Redaktion per Handy umdirigiert. Die nächsten Tage verbringt er mitten im Geschehen, schreibt die Titelgeschichte für den Focus. Er kommt nicht ganz ahnungslos nach Winnenden. 2002 hat er vom Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium berichtet. Robert Steinhäuser hatte dort 16 Menschen und dann sich selbst erschossen.

Göran Schattauer hat meiner Meinung nach das Risiko bewältigt, das in der Schilderung solch furchtbarer Geschehnisse liegt. Durch die professionelle Nüchternheit seines Schreibstils scheint Empathie durch. Zwei Leitmotive schälen sich heraus. Es ist nichts wieder gut zu machen, Narben bleiben und manche Wunden heilen nie. "Wer war Tim?" lautet ein Kapitel und verweist auf die Schlüsselfrage: Wäre sein Amoklauf zu verhindern gewesen? Im Nachhinein tausend Hinweise, aber kein einziges sicheres Indiz. Die entscheidende Lücke bleibt, unergründlich, unfassbar. Doch schwebt ein Hinweis über dem Text. Tim K. hätte vorher mehr auffallen können, wenn Andere mehr hingesehen hätten. Ob das was geändert hätte? Schattauer lässt auch dieses – weise – offen. Sein Buch reiht sich ein in den unendlichen Fluss der Erzählungen über die Menschliche Tragödie. Dort hat es seinen guten Platz.

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