Die Vermessung der sozialen Welt

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Angaben zur Literatur:


Autor(en): Gudrun Hentges, Bettina Lösch


Die Vermessung der sozialen Welt

Verlag: VS-Verlag
Ort: Wiesbaden
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenzahl: 336
Preis: 29,95 €
ISBN 978-3-531-16829-6

Vollständiger Titel[Bearbeiten]

Die Vermessung der sozialen Welt – Neoliberalismus, extreme Rechte, Migration im Fokus der Debatte. Mit Beiträgen von Georg Auernheimer, Wolf-Dietrich Bukow, Heiner Geißler, Gregor Gysi, Heinz Loquai, Anton Pelinka, Werner Rügemer und anderen

Rezension von Dieter Emig (Karlsruhe)[Bearbeiten]

Klima und andere Katastrophen fiel mir beim Lesen der Aufsätze dieses Buches ein. Es löst durchaus seinen Anspruch ein, kritische Zeitdiagnose und sozialwissenschaftliche Analyse der aktuellen sozialen und politischen Verhältnisse in Deutschland sein zu wollen. Das Autorenspektrum erklärt sich aus dem Anlass des Werkes. Es ist eine Festschrift zum 60. Geburtstag des sehr produktiven, streitbaren und sozialkritischen Prof. Christoph Butterwegge, der sich seit Jahrzehnten vernehmbar in die öffentliche Diskussion einschaltet. Im akademischen Spektrum ist er zweifellos links einzuordnen, mittlerweile ein Mahner und Kritiker schräg zum Zeitgeist.

Unter den im Untertitel versammelten Schwerpunkten schält sich eine Bestandsaufnahme heraus, deren Themen zwar mediengängig sind, doch wird in der Zusammenschau der Blick geöffnet für Entwicklungen, die auf Dauer die Gesellschaft von innen gefährden. Nicht der spektakuläre Zusammenbruch steht auf der Agenda, nein, aber eine schleichende Erosion frisst sich wie Rost auf blankem Metall in die sozialen, politischen und kulturellen Pfeiler der Gesellschaft hinein.

Die Ursachen sind rein anthropozentrisch, Ergebnisse neoliberaler Politikkalküle, eine Rechnung, bei der sich mittlerweile selbst Schirrmacher von der FAZ fragt, ob sie nicht zerstört, was sie zu retten vorgibt. Das gilt für den sozialen GAU von hunderttausenden Existenzen durch prekäre Beschäftigung, Lohndumping, Rentenkürzungen, Hartz IV usw. Dies und der soziale Abstieg der Mittelschichten führt zu sozialen Verwerfungen, Abkehr von der Demokratie, zur Renaissance von Ressentiment, Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus. Die versprochene neue, globalisierte Bürgergesellschaft beschränkt sich im Wesentlichen auf urbane Wohnquartiere der gut gebildeten und (noch) wohlhäbigen neuen Mittelschichten. Der Ast, auf dem wir sitzen, könnte brechen, noch lange, bevor die Klimakatastrophe den ganzen Wald vernichtet hat.

Weblinks[Bearbeiten]