Disability Mainstreaming

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Disability Mainstreaming ist ein Konzept, das darauf abzielt, die Belange behinderter Menschen umfassend und in allen Politikbereichen mitzudenken. "Das Thema Behinderung soll vom Rand in die Mitte der Gesellschaft gerückt und überall verankert werden. In diesem Sinne ist es auch ein Konzept und nicht nur ein Instrument. Es hat weitreichende Auswirkungen, da es auf alle gesellschaftlichen Bereiche abzielt und ein tiefgreifendes Umdenken erforderlich macht."[1] Der Begriff lehnt sich an "Gender Mainstreaming" an. Er ist in der deutschen Diskussion kaum gebräuchlich, und es gibt für ihn bisher keine deutsche Übersetzung.

Die Forderung nach einem "Disability Mainstreaming" resultiert aus der Wahrnehmung von Defiziten: Bislang ist es nicht üblich, dass bei politischen Maßnahmen wie der Verabschiedung von Gesetzen oder Normen die Belange Behinderter systematisch mitgedacht und z. B. Behindertenverbände angehört werden. Dies gilt auf allen politischen Ebenen.

Bedeutung für die Kommunalpolitik[Bearbeiten]

In Anlehnung an Grüber können einige Hinweise auf die Relevanz des Konzepts für die Kommunalpolitik gegeben werden:

  • Noch am ehesten liegt es nahe, in allen Aufgabenfeldern der Sozial- und Gesundheitspolitik die darauf zu achten, dass Behinderte nicht diskriminiert werden und ihre Teilhabe aktiv gefördert wird. Das bedeutet insbesondere, bei allen geplanten Maßnahmen zu überprüfen, welche Auswirkungen sie auf Menschen mit Behinderung haben.
  • Bei öffentlichen Einrichtungen und Dienstleistungen sollten, wo immer möglich, der Ansatz des "Universal Design" verfolgt werden. Das bedeutet, dass so alltägliche Gegenstände wie Fahrkartenautomaten so konstruiert werden, dass sie von möglichst vielen Menschen ohne Probleme bedient werden können. Hiervon profitieren alle, nicht nur Behinderte.
  • In der Verkehrspolitik kann Disability Mainstreaming bedeuten, die Belange Behinderter schon in der Planungsphase mitzudenken, am besten Behinderte oder ihre Verbände von Anfang an zu beteiligen.
  • Interessant sind auch (vereinzelte) kommunale Ansätze, die eigenen Veröffentlichungen in einfacher Sprache abzufassen, so dass sie für möglichst viele Menschen verständlich sind.

Beispiel Berlin[Bearbeiten]

Derzeit gibt es kaum Kommunen, die versuchen, eine "Disability Mainstreaming"-Strategie einzuführen. In Berlin wurde 2011 ein entsprechendes Projekt begonnen. Ein online zugängliches Konzeptpapier beschreibt Grundlagen, AkteurInnen und Arbeitsmethoden.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Dr. Katrin Grüber, "Disability Mainstreaming" als Gesellschaftskonzept, 2007

Zum Weiterlesen[Bearbeiten]