E-Mobilität bei kommunalen Dienstfahrzeugen

Aus KommunalWiki
Wechseln zu:Navigation, Suche

Unter den Dienstwagen in Kommunen sind Elektrofahrzeuge noch äußerst selten. Als Hindernis geben Kommunen neben der fehlenden Infrastruktur (Ladestationen) auch den hohen Anschaffungspreis an. Allerdings entdecken Kommunen neben dem Auto auch das E-Bike zunehmend als interessante Form der dienstlichen Mobilität.

Einige Beispiele[Bearbeiten]

Baden-Württemberg[Bearbeiten]

Verschiedene Gemeinden im Landkreis Karlsruhe nutzen E-Mobile, überwiegend als kommunale Dienstfahrzeuge, in einem Fall auch zum Ausleihen durch Bürger/innen im Rahmen eines Car-Sharing-Projekts. Die Badischen Neuesten Nachrichten berichten zum Zeitpunkt März 2017 über insgesamt acht Fahrzeuge. Die Landeshauptstadt Stuttgart plant, ihren gesamten Fuhrpark (260 Fahrzeuge) bis 2023 auf Elektromobilität umzustellen. 2017 besaß die Stadt 9 E-Autos, bis Ende 2018 sollen es 45 sein. Freiburg will seinen Bestand von derzeit (2017) 6 auf 53 Elektroautos aufstocken, Mannheim reserviert einige Parkplätze für städtische E-Autos und setzt diese u.a. in der Grünpflege ein, in Karlsruhe fahren 7 von ca. 200 städtischen Fahrzeugen elektrisch.[1]

Bayern[Bearbeiten]

In der Arbeitsgemeinschaft Obere Vils - Ehenbach (AOVE), einer kommunalen Zusammenarbeit in der Oberpfalz, werden sieben Elektrofahrzeuge für Bauhof und Verwaltung angeschafft sowie die benötigten Ladesäulen errichtet (Stand August 2016). Die Augsburger Stadtwerke besaßen Ende 2014 nur ein Dienstfahrzeug mit Elektroantrieb, betrieben aber stadtweit acht Ladesäulen. Regensburg betrieb zum gleichen Zeitpunkt drei E-Fahrzeuge und plante für 2015 die Anschaffung von weiteren fünf. Kempten besaß zwei E-PKWs und einen elektrischen Kleinlaster und plante weitere drei Fahrzeuge anzuschaffen. Die Stadtwerke Ingolstadt hatte drei E-Fahrzeuge im Fuhrpark, die Verkehrsgesellschaft darüber hinaus drei E-Hybrid-Busse. Würzburg und München testeten 2014 den Betrieb von E-Fahrzeugen. Bis 2017 hatte München 64 E-Autos angeschafft.[2]

Brandenburg[Bearbeiten]

In Potsdam hat sich die Zahl der kommunal genutzten Elektroautos binnen eines Jahres auf nunmehr 57 ungefähr verdoppelt. In der Stadt gibt es acht Ladestationen; ihr Ausbau sei jedoch keine kommunale Aufgabe. Die Cottbusser Stadtwerke nutzen zwei E-Autos und acht E-Bikes, zudem testet die kommunale Verkehrsgesellschaft Cottbusverkehr Elektrobusse. Die meisten Elektrofahrzeuge auf Cottbusser Straßen gehören jedoch der Technischen Universität (45 Fahrzeuge) und Privaten (21 Fahrzeuge). Bei Bauprojekten wie dem Umbau des Hauptbahnhofs sollen Voraussetzungen für die installation von Ladestationen geschaffen werden. Die Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt (Oder) nutzt dagegen schon seit 2004 Erdgas-betriebene Busse. In Kleinmachnow (Kreis Potsdam-Mittelmark) besitzt der Bauhof ein Elektroauto, die Stadt will ein weiteres für das Gebäudemanagement anschaffen; es gibt jedoch bislang nur eine Ladestation am Rathaus.[3]

Hessen[Bearbeiten]

Im Februar 2017 gab die ENTEGA AG bekannt, dass sie noch in diesem Jahr 100 Ladestationen für Elektroautos in südhessichen Kommunen aufstellt. Das Projekt wird vom Land Hessen mit 40% der Investitionskosten gefördert. Kommunen können die Aufstellung der Säulen beantragen, auch mehrere Säulen sind in einer Kommune möglich. Zugleich werden Testfahrzeuge zur Verfügung gestellt, die Kommunen entweder im eigenen Fuhrpark einsetzen oder Bürger/inne/n zur Verfügung stellen können. Der Odenwaldkreis besaß im Sommer 2017 zwei Elektrofahrzeuge; im Kreis und den kreisangehörigen Kommunen war die Beschaffung von mindestens zehn weiteren E-Fahrzeugen geplant.[4]

Niedersachsen[Bearbeiten]

Vorreiter in Niedersachsen ist Lüneburg, wo bereits ein Drittel der kommunalen Dienstwagen einen Elektroantrieb hat. In Hannover und Göttingen liegt der Anteil der E-Fahrzeuge unter den Dienstwagen bei 4 Prozent (Stand 2016). Braunschweig, das bis dahin nur ein E-Fahrzeug besaß, kaufte Ende 2017 vier weitere.[5]

Der Verein „Kommunen in der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg e.V.“ unterstützt Kommunen - auch solche außerhalb des Gebietes der Metropolregion - bei der Erstellung von Konzepten zum Ausbau der Elektromobilität und hat hierfür eine Kompetenzstelle "Amt electric" eingerichtet.[6]

Sachsen[Bearbeiten]

In Leipzig fuhren Anfang 2017 rund 90 kommunale Elektroautos. Allein die Leipziger Stadtwerke hatten bis zu diesem Zeitpunkt 160 Ladepunkte installiert, insgesamt gab es stadtweit ca. 200 davon. Außerdem hat die Stadt im März 2017 ein Programm "Leipzig – Stadt für intelligente Mobilität" aus rund 40 Einzelmaßnahmen aufgelegt. Dresden besaß Anfang 2017 nur acht Elektro- oder Hybridfahrzeuge, für weitere 7 war die Anschaffung geplant. In Zwickau hatten zu diesem Zeitpunkt 11 der 30 kommunalen Fahrzeuge einen Elektroantrieb. In Chemnitz fuhr ein Elektrofahrzeug auf der Straße, zwei weitere im Tierpark. Der der Vogtlandkreis testete seit 2014 mehrere E-Fahrzeuge, wegen der Insolvenz des kooperierenden Car-Sharing-Unternehmens wurde dieser Versuch jedoch abgebrochen. Das Landratsamt des Landkreises Zwickau testete seit April 2015 an drei Standorten jeweils ein Elektroauto, setzte diese wegen der begrenzten Reichweite aber nur für Fahrten innerhalb des Landkreises ein.[7]

Thüringen[Bearbeiten]

Im Fuhrpark der Stadt Jena gibt es drei Elektroautos, im Kreis Schmalkaden-Meiningen läuft seit 2015 ein Pilotprojekt mit einem E-Auto. Häufiger als E-Autos finden sich Hybrid- und Erdgasfahrzeuge in den kommunalen Fahrzeugbeständen.[8]

Kommunen fordern staatliche Förderung[Bearbeiten]

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, forderte 2016 Fördermittel vom Bund für nicht-private Fuhrpark-Betreiber/innen zum weiteren Ausbau der E-Mobilität. Insbesondere die Lade-Infrastruktur müsse ausgebaut werden. "Wer uns hilft, bei den Fuhrparkflotten der Städte und Gemeinden konsequent auf E-Mobilität umzusteigen, unterstützt die Vorbildfunktion gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern und leistet einen wichtigen Beitrag zur Feinstaubreduzierung in den Städten".[9] Der Bund hat hierfür ein Förderprogramm aufgelegt, die erste Antragsphase lief im April 2017 aus. Bis 2020 will der Bund für den Ausbau der Ladeinfrastruktur insgesamt 300 Mio. € bereitstellen.[10] Pressemeldungen zufolge soll auch in der zukünftig neugefassten Kommunalrichtlinie eine Fördermöglichkeit für mehr E-Mobilität in kommunalen Fuhrparks vorgesehen werden.[11]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Badische Neueste Nachrichten, Kommunen setzen auf E-Autos, 23.08.2017 (Details zum Landkreis Karlsruhe); Jens Clausen, Elektrisierende Entwicklung - E-Mobile im kommunalen Fuhrpark, in: Alternative Kommunalpolitik 4/2017, S. 50; Kölner Stadt-Anzeiger, Deutsche Städte schaffen immer mehr Elektroautos an, 12.11.2017
  2. Mittelbayerische, Zeichen setzen für Energieeinsparung, 12.08.2016; Abendzeitung, Bayerische Kommunen: Langsamer Elektro-Vormarsch, 22.12.2014; Kölner Stadt-Anzeiger, Deutsche Städte schaffen immer mehr Elektroautos an, 12.11.2017
  3. SVZ, Kommunen nutzen Elektroautos, 09.09.2016
  4. Metzropol News, ENTEGA errichtet 100 Ladesäulen in Südhessens Kommunen, 17.02.2017; focus: Hinz würdigt „hessenweit einmaligen“ Beitrag zum Klimaschutz, 19.07.2017
  5. focus regional: E-Dienstwagen in Kommunen bleiben die Ausnahme, 16.05.2016; Kölner Stadt-Anzeiger, Deutsche Städte schaffen immer mehr Elektroautos an, 12.11.2017
  6. Celle heute, Kommunen in der Metropolregion wollen Elektromobilität stärken, 07.09.2017
  7. Stadt Leipzig, Neues Konzept "Leipzig – Stadt für intelligente Mobilität", 22.03.2017; vgl. auch: focus, Leipzig will Vorreiter beim Thema Elektromobilität sein, 22.03.2017; focus regional, Sachsens Verwaltungen kommen bei E-Autos auf den Geschmack, 16.01.2017; Freie Presse, Kommunen zeigen wenig Interesse an Elektroautos, 30.05.2016
  8. focus regional, Elektroautos in Verwaltungen oft noch im Testlauf, 07.05.2016
  9. RP online, Kommunen wollen mehr Fördergeld für E-Auto-Flotten, 14.06.2016
  10. Vgl. BMBF, Förderrichtlinie Elektromobilität des BMVI vom 09.06.2015; Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen, Förderung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, Erläuterungen zur Förderrichtlinie
  11. Thüringer Allgemeine, Anreiz für mehr E-Mobilität in Kommunen, 19.08.2017

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Beratungsangebot[Bearbeiten]