Erreichbarkeitssicherung im ländlichen Raum

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Unter dem Titel Erreichbarkeitssicherung im ländlichen Raum hat das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) ein "Werkzeug zur Bewertung der Wirkungen von Standortentwicklungen der sozialen Infrastruktur und Angebotsveränderungen des Individual- und öffentlichen Verkehrs" entwickelt und am Beispiel des Landkreis Calw (Baden-Württemberg) getestet.

Fragestellung[Bearbeiten]

In dünn besiedelten ländlichen Räumen, aber nicht nur dort, sind Leistungen der Daseinsvorsorge im weiteren Sinne teilweise nur noch schwer erreichbar. Das kann sich auf Ämter und Behörden beziehen, auf die Nahversorgung mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs, auf medizinische Versorgung und vieles mehr. Zugleich nimmt durch den demografischen Wandel der Anteil Älterer, teilweise mobilitätseingeschränkter Personen zu.

Um die Infrastrukturplanung unter solchen Rahmenbedingungen auf solider Grundlage zu ermöglichen, hat das ILS im Auftrag des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg und in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Verkehrsplanung und Verkehrsleittechnik, Institut für Straßen- und Verkehrswesen der Universität Stuttgart ein Software-Instrument entwickelt, mit dem infrastrukturpolitische Maßnahmen bezüglich ihrer verkehrlichen Folgen bewertet werden können. Mit diesem Werkzeug "lassen sich Szenarien erstellen, die Wirkungen von raumstrukturellen Veränderungen (z. B. Schließung von Einrichtungen) und von adaptiven Maßnahmenplanungen (z. B. Optimierung des ÖV-Netzes) bilanzierbar machen. Zudem wird ein Erreichbarkeitsindex entwickelt, der den Zugang zur Daseinsvorsorge, die Qualität der Verkehrsmittel und der Verkehrsinfrastruktur, die Hauptverkehrsströme, sowie kleinräumige Bevölkerungsprognosen berücksichtigt und in Karten visualisiert. In möglichst realitätsnahen Angebotsszenarien werden dann die Erreichbarkeitsverhältnisse untersucht und die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt."[1]

Entwicklung am Beispiel des Landkreises Calw[Bearbeiten]

Das praktische Beispiel für das Entwickel und Testen des Werkzeugs war die Erstellung von Entwicklungsszenarien für den Landkreis Calw. Der Landkreis hatte davon konkrete Vorteile: So zeigte sich, dass die hausärzliche Versorgung in absehbarer Zeit ein Problembereich werden kann; die Ergebnisse der Erreichbarkeitsstudie flossen in den Masterplan "Hausärztliche Versorgung im Landkreis Calw" ein.

Die Anwendung des Werkzeugs auf andere Landkreise oder Regionen erfordert jedoch einen gewissen Anfangsaufwand. So muss die Standortstruktur der Daseinsvorsorge kleinräumig erfasst und ein Verkehrsmodell für die Region erstellt werden. Die Landesregierung prüft jetzt gemeinsam mit dem Landkreistag Baden-Württemberg, wie sich das digitale Planungswerkzeug rasch und kostengünstig auch in anderen Landkreisen des ländlichen Raums zum Einsatz bringen lässt.

Fußnote[Bearbeiten]

  1. zitiert aus der Projektbeschreibung des ILS

Weblinks[Bearbeiten]

  • Studie Erreichbarkeitssicherung im ländlichen Raum. Entwicklung und Erprobung eines Werkzeugs zur Bewertung der Wirkungen von Standortentwicklungen der sozialen Infrastruktur und Angebotsveränderungen des IV/ÖV (Juni 2016, pdf-Format, 93 Seiten); auch als Kurzfassung (pdf-Format, 6 Seiten)