Open Office in Freiburg

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Von Rita A. Herrmann

Freiburg kehrt zu Microsoft zurück[Bearbeiten]

Freiburg. Steve Jobs, Bill Gates oder Open Source-Programme? An dieser Frage scheiden sich die Geister und Emotionen kochen hoch. So wurde denn auch im Freiburger Gemeinderat sehr kontrovers diskutiert und am 20.11.2012 mit äußerst knapper Mehrheit entschieden, dass die Verwaltung doch wieder das Office-Paket von Microsoft einkauft.

2007 hatte der Gemeinderat beschlossen, dass die Stadt im Breisgau auf Open Office-Programme umsteigt. Nun empfahl ein Gutachten, zu Word, Excel und Co. zurückzukehren: Es sei nie gelungen, alle technischen Probleme zu lösen. Die Ämter beklagten u.a. Programmabstürze, einen hohen Konvertierungsaufwand beim Datenaustausch mit Externen oder Schwierigkeiten mit Serienbriefen. Die Software zur Tabellenkalkulation und zur Erstellung von Präsentationen sei leistungsschwächer und vertrüge sich nicht mit allen Fachanwendungen. Nicht zuletzt sei die Akzeptanz bei den Beschäftigten gering geblieben.

Fehler bei der Umsetzung[Bearbeiten]

Darauf entgegnet Stadtrat Timothy Simms (Grüne) in seinem Blog: „Dass das Projekt Office-Migration nicht funktioniert hat, liegt sicher auch an mangelndem Rückhalt seitens strategischer AkteurInnen (AmtsleiterInnen, BürgermeisterInnen, Stadtrat).“[1] Für ihn ist in Freiburg nicht Open Office gescheitert, sondern die hier gewählte Strategie der Einführung von Open Office. „Diese ging – grob vereinfacht – davon aus, dass sich Open Office wohl auf wundersame Weise automatisch durchsetzt – trotz parallel weiter installiertem MS Office 2000“, so Simms.

Es habe am Mut gefehlt, diese Herausforderung offensiv anzugehen und einen ensprechend hohen Schulungsaufwand zu betreiben. Zudem habe das Organisationsgutachten zum IT-Bereich gezeigt, dass es grundlegende Organisations- und Steuerungsprobleme gebe.

Am Gutachten kritisiert er, dass die Konvertierungsprobleme Open Office als Problem angekreidet würden, obwohl doch Microsoft die offenen Standards nicht umsetze. Simms Fazit: „Aus Stadtratssicht zeigt sich mal wieder: Es empfiehlt sich nicht nur gute Beschlüsse zu fassen, man muss auch die Umsetzung aktiv begleiten und beobachten, wenn man möchte, dass die Ziele der eigenen Beschlüsse auch erreicht werden.“

Hohe Kosten[Bearbeiten]

Laut Pressemitteilung der Stadt hat sich nicht einmal in wirtschaftlicher Hinsicht der Wechsel gelohnt: „Zwar wurden seit der letzten Lizenzierung von Microsoft Office im Jahr 2001 rund 800.000 € an Lizenzgebühren gespart. Dem stehen jedoch etwa 730.000 € für die Einführung von Open Office gegenüber, außerdem haben die Gutachter geschätzte Kosten von rund 2,5 Mio. € durch Effektivitätsverluste ermittelt.“

Die Rückkehr zu Microsoft werde etwa 900.000 € für Lizenzen, Schulungen und die Anpassung von Vorlagen kosten, kalkuliert die Verwaltung und rechnet mit einer Laufzeit von sechs bis sieben Jahren. In der November-Sitzung stimmten dann CDU, SPD, Freie Wähler und einige grüne GemeinderätInnen für den Wechsel.[2]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. http://timothy.simms.de/2012/11/30/leider-freiburg-erst-mal-ohne-libreoffice/
  2. Stadt Freiburg: Stadtverwaltung macht Schluss mit "trial and error". Umstellung auf Open Office hatte nicht den erhofften Erfolg, Pressemitteilung vom 21.11.2012

Siehe auch[Bearbeiten]

Quelle[Bearbeiten]

Rita A. Herrmann: Freiburg kehrt zu Microsoft zurück, in: Alternative Kommunalpolitik, Ausgabe 1/11, Seite 11f.