Gemeingüter

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Was sind Gemeingüter / Commons?[Bearbeiten]

Nachdem die Diskussion über die Commons vor einigen Jahren in Deutschland angekommen ist, hat sich hier der Begriff Gemeingüter dafür etabliert, da es keine adäquate Ubersetzung für den Begriff ins Deutsche gibt. Am ehesten könnte man noch sagen „das Gemeine“.

Denn bei Gemeingütern handelt es sich keineswegs um Güter oder „Dinge“, wie dieser Begriff vermuten lässt, sondern es handelt sich um eine bestimmte Art, damit umzugehen. Damit Gemeingüter entstehen und gepflegt und erhalten werden, müssen Menschen sich diese aneignen, das heißt, sie müssen entscheiden, das ist „unseres“ und wir kümmern uns jetzt darum. Damit Commons funktionieren, müssen bestimmte „Gelingensbedingungen“ erfüllt sein, es braucht bestimmte Regeln für deren Nutzung, die Elinor Ostrom aus ihren vielen Untersuchungen von Commons herausgearbeitet hat.

Gemeingüter bestehen also aus drei Bausteinen:

  • den „Dingen“, also den Resourcen, die wir als Gemeingüter behandlen wollen, im Fachjargon werden sie common pool resources genannt
  • den Menschen, der Gruppe der NutzerInnen, auf Englisch werden sie „commoners“ genannt, wir könnten sagen, es sind die „Kümmerer“
  • den Regeln, die diese Menschen selbst finden und sich um ihre Einhaltung kümmern müssen.

Gemeingüter stellen also eine soziale Übereinkunft darüber dar, wer, wann, wie welche Ressource nutzen kann, um damit grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen.

Daher verwende ich lieber den Begriff „Commons“, weil er das besser beschreibt und nicht das Missverständnis aufkommen kann, es handle sich um Dinge. Und da die Commons-Bewegung ja eine internationale Bewegung ist, ist es auch gut einen Begriff zu haben, den alle verstehen.

Es hängt nicht von Eigenschaften der Ressource ab, ob sie als Commons behandelt werden kann, sondern von Aneignungsprozessen und politischen Entscheidungen. Es ist auch nicht relevant, wer der rechtliche Eigentümer der Ressourcen ist. Und da wird es für Kommunen interessant: So können z.B. Dinge, die im Eigentum von Gemeinden sind, von den BürgerInnen als Commons behandelt werden. Entweder, wenn sich die Gemeinden entschließen, das zuzulassen und es auch fördern, oder wenn Menschen sich die öffentlichen Güter aneignen, weil sie nicht zufrieden sind, mit der Art und Weise, wie Gemeinden damit umgehen.

Solche Aneignungsprozesse haben wir in letzter Zeit einige erlebt, etwa in Stuttgart bei den Auseinandersetzungen um S21, in Berlin beim Berliner Wassertisch, wo sich BürgerInnen gegen die Privatisierung des Wassers engagieren, oder in Österreich, wenn Menschen sich gegen die Stilllegung von Bahnlinien wehren und dabei auch schon einmal selbst Hand anlegen, oder gegen Privatisierungen im Gesundheits- und Krankenversicherungssystem.

Es gibt aber auch Beispiele wo Kommunen solche Aneignungsprozesse aktiv unterstützen, indem sie etwa Land für Gemeinschaftsgärten zur Verfügung stellen, oder wie in Magdeburg, den Bau und die Organisation einer Bibliothek durch die BürgerInnen unterstützen. Über weitere Vorzeigebeispiele aus Deutschland an dieser Stelle würde ich mich freuen!

--Brigitte Kratzwald 12:31, 1. Feb. 2011 (CET)

Siehe auch[Bearbeiten]

Commons