Kritisches Handbuch der deutschen Elektrizitätswirtschaft

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Angaben zur Literatur:


Autor(en): Bontrup, Heinz-J. / Marquardt, Ralf M.


Kritisches Handbuch der deutschen Elektrizitätswirtschaft

Verlag: Edition Sigma
Ort: Berlin
Erscheinungsjahr: 2010
Seitenzahl: 475
Preis: 29.90 €
ISBN 978-3-8360-8712-4


Vollständiger Titel[Bearbeiten]

Kritisches Handbuch der deutschen Elektrizitätswirtschaft, Branchenentwicklung, Unternehmensstrategien, Arbeitsbeziehungen

Aus dem Inhalt[Bearbeiten]

  1. Politische Rahmenbedingungen in der Elektrizitätswirtschaft: Auf der Suche nach der angemessenen Regulierung
  2. Auswirkungen des Liberalisierungsprozesses
  3. Unternehmenskultur im Liberalisierungsprozess
  4. Stärkung der Stadtwerke als Chance
  5. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Rezension von Herbert Klemisch (Leverkusen)[Bearbeiten]

Bis 1998 wurden die Strommärkte wie natürliche Monopole angesehen und durch staatliche Aufsicht in Gebietsmonopolen ausgesteuert. Danach setzte die Liberalisierung der Strommärkte ein. Von diesem Wettbewerb versprach sich die rot-grüne Politik Preis-, Kosten- und Gewinnsenkungen sowie einen Beitrag zu Ressourcen- und Umweltschutz. Die Bilanz sieht ernüchternd aus.

Bontrup und Marquardt haben die Ergebnisse eines Forschungsprojektes der Hans Böckler Stiftung als Studie in einem umfassenden Kompendium vorgelegt, das zurecht den Titel Handbuch trägt. Neben den sogenannten Big-4, also den großen Stromversorgern (E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall) wurden vor allem die Stadtwerke analysiert. Hierzu wurde ein breites Methodensample angewandt, das von der Auswertung der Geschäftsberichte bis zur Befragung von Geschäftsleitung und Betriebsräten reicht. Thematisch spielten neben der Beschäftigungs- und Produktivitätsentwicklung auch die Verteilungsverhältnisse zwischen Kapital und Arbeit eine Rolle.

Obwohl das Projekt noch vor der Energiewende zu Ende gebracht und das Handbuch veröffentlicht wurde, gehört die Untersuchung zum informativsten, will man die Schwierigkeiten, die heute bei der Umsetzung der Energiewende auftauchen, verstehen. So werden vor dem Hintergrund der immer noch aktuellen Diskussion über eine angebliche Versorgunglücke mit Strom der beträchtliche Investitionsbedarf im Rahmen von Klimawandel und Umstieg auf regenerative Energien analysiert.

Nach dieser Bestandsaufnahme der Rahmenbedingungen wird der Blick nach innen gerichtet, also in die Unternehmen mit ihren Arbeits- und Mitbestimmungsmöglichkeiten. Die Autoren machen keinen Hehl daraus, dass sie die Entwicklung der Big-4 mit großer Skepsis betrachten. So sind die Big-4 nur Eigentümer von 5% der bundesweit installierten Leistungen zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren-Energie-Anlagen. Den Löwenanteil halten Bürger/innen (35%), Projektierer(14%) und Landwirte (11%). Bontrup /Marquardt setzen in der Perspektive auf die Stadtwerke, denen sie eine zentrale Rolle beim Umbau der Energiewirtschaft zuweisen. Dieses Argument wird sowohl unter dem Innenaspekt, also der innerbetrieblichen Demokratie und Partizipation der Beschäftigten in den Stadtwerken, als auch mit dem Beitrag der Stadtwerke zu einem forcierten Ausbau der regenerativen Energie und zum Schutz der Umwelt hinterlegt. Die Entwicklung wird sich allerdings nicht konfliktfrei vollziehen. Insofern plädieren die Autoren in ihrem Resümme für den raschen Auf- und Ausbau einer demokratisch partizipativen Unternehmenskultur und stellen fest, dass einige Stadtwerke hier noch einigen Nachholbedarf aufweisen.

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Siehe auch[Bearbeiten]