Museum

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Museen sind Orte des Sammelns, Bewahrens, Forschens, Ausstellens und Vermittelns. Die Errichtung und Unterhaltung von Museen gehört im Rahmen der kommunalen Daseinsvorsorge und kulturellen Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger zum Aufgabenbereich der Gemeinden, ist jedoch eine freiwillige Aufgabe. Es gibt keine speziellen Gesetze, die Qualität und Quantität musealer Einrichtungen festlegen, sondern es obliegt der kommunalen Selbstverwaltung, wie diese Aufgabe vor Ort wahrgenommen wird.

Einrichtungen, Träger, Besucher/innen[Bearbeiten]

Bei einer ersten Erhebung im Jahre 1981 zählte das Institut für Museumkunde 2.078 Museen in ganz Westdeutschland, zehn Jahre später waren es bereits 3.471 in Westdeutschland, hinzu kamen 845 Museen in den fünf neuen Bundesländern. Dieser starke Museumsboom ist etwas abgeebt, es kommen aber dennoch Jahr für Jahr neue Einrichtungen hinzu, da nicht nur Gemeinden Träger von Museen sind, sondern auch Vereine, Institutionen, Stiftungen und private Sammler. Die Gesamtzahl der Besucher/innen pendelt um 75 Mio. jährlich, d. h. fast jede/r Bewohner/in Deutschlands geht durchschnittlich einmal im Jahr ins Museum. Museen werden damit von wesentlich mehr Besuchern frequentiert als beispielsweise die Spiele der 1. Fußballbundesliga.

Arten von Museen[Bearbeiten]

Rund 50 % aller Museen in Deutschland gehören zur Kategorie der Heimat- und Volkskundemuseen. Darüberhinaus gibt es zahlreiche Kunst- und Technikmuseen. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich auch Spezialmuseen, die lokale Besonderheiten wiederspiegeln, wie etwa das Edelsteinmuseum in Idar-Oberstein, oder ausgefallene Sammlungen präsentieren, wie beispielsweise das Spielkartenmuseeum in Leinfelden.

Einordnung im kommunalen Organisationsaufbau[Bearbeiten]

Im Organisationsschema der kommunalen Kulturdezernate rangieren die als kommunale Regiebetriebe geführten Museen als Fachressort 41-3 und unterstehen einem Museumsdirektor. Zu den Aufgaben dieses Ressorts kommen aber auch Museen, die eine andere Rechtsform haben, z. B. private Sammlungen, die gleichwohl auf städtische Zuschüsse angewiesen sind. Insgesamt haben die staatlichen Kulturhaushalte für Museen, Sammlungen, Ausstellungen und wissenschaftliche Museen im Jahr 2000 rund 555 Mio. Euro verausgabt.

Museumsreform[Bearbeiten]

Seit den 70er Jahren gibt es eine intensive öffentliche Debatte zur Museumsreform. Sie wurde 1970 mit dem Sammelband von Gerhard Bott[1] (Historisches Museum Frankfurt a. M.) angestoßen, der in 43 Einzelaufsätzen primär museumspädagogische Fragen diskutierte. Damals wurde die Präsentation der Sammlungen oft als zu oberlehrerhaft und verstaubt angesehen, so dass der Ertrag für die Herausbildung eines Geschichtsbewusstseins zweifelhaft blieb. Inzwischen hat sich der Focus der Diskussion etwas verlagert und wird auch im Kontext der Reform der Stadtverwaltung geführt. Zumindest Museen in kommunaler Trägerschaft sind formal als Regiebetriebe Teile der Verwaltung. Gewachsen ist auch der Konkurrenzdruck, da heute vermehrt unter Aspekten des Stadtmarketings und Eventtourismus an Museen der Anspruch herangetragen wird, durch besonders spektakuläre Ausstellungen große Besuchermassen auch von auswärts anzulocken.

Bedeutsam war und ist in diesem Zusammenhang das Schlagwort vom Kontraktmanagement, wobei die Museumsverantwortlichen ihr Ausstellungsprogramm zwar frei von politischen Einflussnahmen gestalten können sollen, aber doch mit den politischen Gremien wie etwa dem Stadtrat verbindliche Absprachen über die strategische Grundausrichtung des Museums (einschließlich Ankäufe und Ausstellungen) treffen sollen. Ein solches Kontraktmanagement funktioniert bisher nur in den seltensten Fällen reibungslos, weil sich die Museumsverantwortlichen größte Handlungsfreiheit ausbedingen, solange sie für den Ausstellungserfolg und damit auch für die Gewinneinnahmen aus einem möglichst hohen Besucherzuspruch haftbar gemacht werden. Andererseits verlangen Stadträte zu Recht eine gewisse Mitsprache, denn nicht nur werden Neubauten und Unterhalt aus der Stadtkasse beglichen, darüber hinaus entscheiden Ausstellungen auch über den Imagewert und die Außenwahrnehmung einer Kommune.

Viele Kommunen wollen daher vom traditionellen "Intendanten- bzw. Museumsdirektormodell" wegkommen und diese Position durch eine Art Kulturmanagement ersetzen, wobei jedoch umstritten ist, ob dieses zeitgemäße Management als Verantwortungsdelegation an mehrere Akteure läuft oder sich auf die Schlüsselqualifikationen eines Multitalents verlässt, welches von der Forschungsarbeit bis zum Event alles organisieren kann.

Chemnitzer Modell[Bearbeiten]

Besonders in der Debatte war Ende der 90er Jahre das "Chemnitzer Modell". Es betrachtet ein Museum als "ein Haus mit drei ganz unterschiedlich strukturierten Bereichen" (Thomas Schuler) unter einem Dach: Sammlung, Ausstellung und Service. Diese Bereiche können teils gemeinsam betrieben werden, z. B. Sekretariat, Haustechnik, Sicherheit und Verwaltung. Sie können operational aber auch stark gegeneinander abgegrenzt und in unterschiedlicher Weise praktisch durchgeführt werden. Zum Beispiel kann das Museumscafé oder der Museumsshop mit Bücher-Repliken-Verkauf privatisiert werden. Demgegenüber ist der Sammlungsbereich einschließlich Forschung viel stärker öffentlichen Vorgaben unterworfen (archivgesetzliche Regelungen) und wird auch primär aus Mitteln der öffentlichen Hand finanziert. Hier muss die Kommune für eine fachliche Oberaufsicht und Regieführung voll verantwortlich bleiben.

Bislang hat sich kein einzelnes Reformmodell als Zauberformel für alle Museen entpuppt, denn diese sind nach Größe, Sammlungsschwerpunkt und auch bisheriger Rechtsform viel zu verschieden, als dass sie sich unter einen Reformhut bringen lassen würden. Das Motto von Gerhard Bott "Solange es Museen gibt, wandeln sie sich", wird wohl auch in Zukunft seine Richtigkeit behalten. Der Wandel sollte allerdings die Vielfältigkeit dieses wichtigen Kulturangebots nicht durch finanzielle Restriktionen einschränken und vor allem, wie es die erste Museumsreformdebatte der 70er Jahre anstieß, den Gedanken weiter in die Praxis umsetzen, dass diejenigen Bürger, die sonst immer draußen standen, "drinnen sind", wenn vom Museum die Rede ist.

Museen in und nach der Corona-Krise[Bearbeiten]

Die Corona-Krise bedeutet für alle Museen einen tiefen Einschnitt, schon weil sie monatelang geschlossen sind. Vorbereitete Ausstellungen können nicht gezeigt werden, Einnahmen fallen aus, Beschäftigte werden teilweise in Kurzarbeit geschickt. Doch auch die Zukunft kommunaler Museen scheint gefährdet, bedroht doch die Corona-Krise die kommunalen Finanzen, und häufig stehen freiwillige Aufgaben bei Streichlisten ganz obenauf.

Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters warnte die Kommunen vor einer Haushaltssanierung auf Kosten der Kultur nach der Corona-Krise. Die finanzielle Entlastung durch den Bund "schafft Bewegungsspielraum für die Kommunen, so dass wir mit Fug und Recht erwarten können, dass sie beim Kassensturz am Jahresende nicht ausgerechnet die Kultur bluten lassen."[2] Der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne, sagte der dpa: "Kommunen müssen Handlungsspielraum und Möglichkeiten verschafft werden, weiter lebenswerte Städte zu betreiben, indem man in Museen, Theater, Musikschulen, in die freie Szene investiert, in diesen ganzen Bereich, der eine Stadt erst lebenswert macht." Er befürchtet, dass kommunale Sparmaßnahmen den Kulturbereich stark treffen werden. Museen müssten die Erfahrungen der Corona-Krise nutzen, um sich für die Zukunft aufzustellen.[3]

Literatur / Fachverbände[Bearbeiten]

  • Hartmut John / Jürgen Steen (Hg.): Museumsreform – kooperativ. Perspektiven & Kontroversen & Positionen; Landschaftsverband Rheinland, Klartext-Verlag, ISBN 3-88474-986-2, Essen 2001.
  • Thomas Schuler: Das Chemnitzer Modell; in John / Steen: Museumsreform – kooperativ, ebd., S. 31-93.
  • Deutscher Museumsbund e. V., Postfach 120551, 01006 Dresden, Tel.: 0351-4914700, Internet: www.museumsbund.de/

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Gerhard Bott (Hrsg.): Das Museum der Zukunft. 43 Beiträge zur Diskussion über die Zukunft des Museums, 1970, ISBN 2701639018 (nur noch antiquarisch erhältlich)
  2. Marbacher Zeitung: Kulturpolitiker fürchten "dickes Ende" nach Corona, 26.12.2020
  3. Frankfurter Rundschau, Wie geht es weiter? Museumsbund befürchtet Sparpolitik, 06.02.2021