Pestizidfreie Kommune

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"Pestizidfreie Kommune" ist ein vom BUND getragenes Projekt, das darauf abzielt, in Kommunen den vollständigen oder weitgehenden Verzicht auf den Einsatz von Pestiziden zu erreichen. Nach Angaben des BUND nehmen derzeit (Stand März 2018) 181 Kommunen teil.[1]

Unterstützung vom BMU[Bearbeiten]

Das Bundesumweltministerium unterstützt die Bemühungen von Kommunen, pestizidfrei zu werden. Anlässlich eines Besuches der Stadt Dachau im Juli 2018 forderte der Parlamentarische Staatssekretär im BMU, Florian Pronold (SPD) die Kommunen zu einer solchen Strategie auf. „Das Verbot von Glyphosat auf städtischen Flächen ist ein erster Schritt hin zu einer umweltfreundlichen Bewirtschaftung“, sagte er. „Die weitgehend pestizidfreie Kommune ist möglich. Dies setzt ein verändertes Denken hinsichtlich des Schönheitsideals einer Stadt, die Bereitschaft zu Verhaltensänderungen und politischen Veränderungswillen voraus. ... Letztlich dürfen wir nicht bei Glyphosat stehenbleiben, wenn wir eine insgesamt umwelt- und naturverträglichen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln erreichen wollen“.[2]

Methodisches Vorgehen[Bearbeiten]

Um in einer Kommune den Einsatz von Pestiziden überflüssig zu machen, werden mehrere Schritte empfohlen:

  • Schon bei der Planung von Wegen und anderen versiegelten Flächen das Thema "Wildkrautbewuchs" berücksichtigen;
  • Ein verändertes "Schönheitsideal" für Straßen, Wege und Plätze; Bewuchs kann häufig toleriert werden;
  • Bei Bedarf mechanische Verfahren wie Mähen, Handarbeit oder spezielle Wildkrautbürstenmaschinen anwenden;
  • Wo dies nicht ausreicht oder nicht anwendbar ist, gibt es thermische Verfahren: neben Abflamm- und Infrarotgeräten auch Maschinen, die mit heißem Schaum oder heißem Dampf arbeiten.

Insgesamt bringt eine enge Abstimmung zwischen Planung, Bau und Pflegeverantwortlichen das größte Pestizid-Einsparpotenzial für Kommunen. Zu bedenken ist, dass ein entsprechender Beschluss sich zunächst nur auf die gemeinde- oder kreiseigenen Flächen bezieht. Auf den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft und in privaten Gärten hat die Kommune keinen direkten Einfluss. Sie kann aber beschließen, dass Pachtverträge für kommunales Land nur mit entsprechenden Auflagen neu verpachtet werden. Auf jeden Fall muss für den Verzicht auf Pestizide auch bei Privaten geworben werden.[3]

Lokale Beispiele[Bearbeiten]

Einige Beispiele von Kommunen, die auf Pestizide ganz oder teilweise verzichten (hier nur eine Auswahl)[4]:

Baden-Württemberg[Bearbeiten]

  • In Tübingen wird schon seit Mitte der 90er Jahre auf Initiative der Verwaltung auf den Einsatz von Pestiziden durch städtische Ämter verzichtet.

Bayern[Bearbeiten]

  • Die Große Kreisstadt Dachau verpachtet seit 2017 Ackerflächen nur noch an Landwirte, die auf bestimmte Pflanzenschutzmittel verzichten. Dies gilt jedoch nur für Neuverpachtungen.[5]
  • Die Gemeinde Markt Feucht in Mittelfranken setzt seit Juli 2018 keine Pestizide mehr ein. Ausnahmen sind bei Gefahr für den Menschen möglich wie z.B. zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners. Im benachbarten Altdorf werden schon seit mehreren Jahren keine Pestizide eingesetzt und zusätzlich zum Schutz der Insekten Blühwiesen und -streifen angelegt. Ähnlich ist die Praxis schon länger in Burgthann, Schwarzenbruck und Leinburg, obwohl es dort keine förmlichen Beschlüsse zum Thema gibt.[6]

Niedersachsen[Bearbeiten]

Mecklenburg-Vorpommern[Bearbeiten]

  • Nach Rostock hat jetzt auch Schwerin den Weg zur pestizidfreien Kommune politisch eingeleitet; die entsprechenden Vorschriften sollen bis Ende 2018 in Kraft treten.[9]

Nordrhein-Westfalen[Bearbeiten]

  • Münster hat schon seit 1989 den Pestizideinsatz auf allen städtischen Flächen und den Flächen der Tochtergesellschaften eingestellt.
  • Im Kreis Paderborn verzichten viele Kommunen teilweise oder ganz auf den Einsatz von Pestiziden, der Landkreis selbst verbietet den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenbehandlungsmittel auch auf den von ihm verpachteten Flächen.[10]

Saarland[Bearbeiten]

  • Saarbrücken verzichtet bereits über 20 Jahre auf Pestizide sowohl auf Kultur- wie auf Nicht-Kulturland. Eine Ausnahme sind Rasensportflächen.

International[Bearbeiten]

  • Im Städtenetzwerk QuattroPole, der grenzüberschreitenden Kooperation der regional benachbarten Städte Luxemburg, Trier, Saarbrücken und Metz, finden Fachexkursionen statt, um anderen Kommunen von den Erfahrungen mit dem Verzicht auf Pestizide zu berichten.

Beschlussvorlage[Bearbeiten]

Der BUND hält einen Musterantrag „Pestizidfreie Kommune“ zum Download bereit, der in die kommunale Politik eingebracht werden kann.

Fußnote[Bearbeiten]

  1. Sonnenseite, "Pestizidfreie Kommune": 181 Städte und Gemeinden gegen Glyphosat, 03.03.2018
  2. topagrar: [BMU-Staatssekretär Pronold fordert pestizidfreie Kommunen, 12.07.2018
  3. Vgl. BR, "Glyphosatfreie" Landkreise – Vorreiter oder Marketing-Gag?, 15.12.2017 zu den Landkreisen Berchtesgadener Land und Miesbach
  4. Die Beispiele sind teilweise auf dem Stand von 2016
  5. topagrar: [BMU-Staatssekretär Pronold fordert pestizidfreie Kommunen, 12.07.2018
  6. nordbayern, Wildkraut statt Chemie: Kommunen verzichten auf Pestizide, 09.07.2018
  7. zu Stadt und Landkreis Rotenburg: kreiszeitung: Kommunen setzen kein Glyphosat mehr ein, 27.12.2017
  8. t-online, Viele Kommunen verzichten auf Unkrautvernichtungsmittel, 05.02.2018
  9. focus: Schwerin will pestizidfrei werden, 13.03.2018; danach wollen auch Bergen, Neustrelitz und Greifswald entsprechende Ziele umsetzen.
  10. Neue Westfälische: Einige Kommunen im Kreis Paderborn nutzen Glyphosat-Alternativen, 06.01.2018

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]