Smart City

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Mit dem Begriff "Smart City" wird das Ziel einer neuen integrierten Stadtentwicklung bezeichnet, die aktuelle technische und soziale Innovationen miteinander verknüpft. Mit Hilfe moderner, dezentraler Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sollen Infrastrukturen untereinander vernetzt werden, um "intelligenter" und effizienter als bisher zusammenzuwirken. Die Idee der "Smart City" wird zumeist in Verbindung mit dem Leitbild der nachhaltigen Stadt diskutiert.

Beispiel für eine Definition[Bearbeiten]

Die Stadt Wien definiert ihr Projekt "Smart City Wien" wie folgt:

"Smart City Wien steht für die "intelligente Stadt" und innovative Lösungen, speziell in den miteinander verknüpften Bereichen Energie, Gebäude, Mobilität und Infrastruktur inklusive Informationstechnologien. ... Smart City Wien baut auf bestehende Ansätze in der Umwelt- und Klimapolitik auf. Themen wie Energie und Klimaschutz finden sich in der Art wieder, wie wir unsere Gebäude bauen und betreiben, wie Infrastruktur effizient und optimal Versorgungssicherheit gewährleistet und wie wir uns in lebenswerten Stadtvierteln fortbewegen. Durch all die verschiedenen Abläufe werden Ressourcen verbraucht, die es zu minimieren gilt und die aus erneuerbaren, umweltfreundlichen Quellen kommen sollen. Unterstützt wird dies durch den sinnvollen Einsatz neuer Technologien, aber auch durch soziale und organisatorische Innovationen. ... Entscheidend für die Smart City Wien-Initiative ist, die effiziente und damit verbunden auch leistbare Stadt im Auge zu behalten. Dies ist Grundlage unseres Wohlstandes und die Chance, Herausforderungen wie Bevölkerungszuwachs, Umwelt- und Klimaproblematik oder globaler Veränderung in Wirtschaft und Gesellschaft aktiv zu begegnen. ..."

Ausgangsfragen, Trends und Ziele[Bearbeiten]

Durch Entwicklungen wie die Energiewende und das Leitbild der Nachhaltigkeit, aber auch durch demografisch bedingte Veränderungen steht die Stadtentwicklung vor neuen Aufgaben. Zugleich stellt die technologische Entwicklung neue Instrumente bereit. Immer mehr Objekte (z. B. Fahrzeuge, Haushaltsgeräte, Gebäude) werden elektronisch gesteuert und sind untereinander vernetzt oder vernetzbar. Zugleich steht moderne Kommunikationstechnik z. B. in Form von Mobilfunknetzen und Smartphones fast überall zur Verfügung. Damit entstehen neue Möglichkeiten, ganz unterschiedliche Dinge und Prozesse miteinander zu verknüpfen und ortsunabhängig zu steuern.

Zunehmend bildet die IKT das Rückgrat moderner Infrastrukturen. Stromnetze, Logistik- oder Verkehrsmanagementsysteme werden durch Kommunikationsnetze gesteuert und können dadurch "intelligenter" und flexibler ausgelegt werden. Große Unternehmen wie kleine Startups entwickeln immer neue Systemlösungen. Die Einbettung neuer Technologien in bestehende Infrastrukturen ist ein schleichender Prozess, dessen Auswirkungen nur begrenzt vorhersehbar sind. Mit dem Begriff "Smart City" wird die Hoffnung verbunden, diese Trends nutzen zu können, um das Zusammenleben und die Prozesse in einer Stadt klüger, schneller und (ressourcen-)effizienter aufeinander und auf die Bedürfnisse der Menschen abstimmen zu können.

Dabei werden zunehmend auch bislang getrennte Infrastrukturen zusammen gedacht; Beispiele sind Konzepte zur Rückgewinnung von Wärme und Biomasse aus Abwasser oder der Einsatz von Elektroautos als Speichermedium zur Pufferung von Energieverbrauchsspitzen. Damit stehen auch die Trennung der Sparten städtischer Infrastrukturen sowie teilweise die ihnen zugrundeliegenden Geschäftsmodelle zur Diposition. Auch der unterschiedliche ökonomische Regulierungsrahmen steht einer stärkeren Integration verschiedener Infrastrukturen häufig im Weg.

"Smart City" bezeichnet einen integrierten Innovationsprozess auf verschiedenen Ebenen: Technologisch, ökonomisch, sozial und politisch. Er verspricht, Beiträge zur Lösung des Energie- und Ressourcenproblems zu leisten und die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht dabei die bereits bestehende, sich wandelnde multifunktionelle Infrastruktur, die technisch, ökonomisch und räumlich zu betrachten ist. Stadt- und Infrastrukturentwicklung sind (wieder) als ko-evolutionärer Prozess zu begreifen, nachdem bislang die Infrastruktur- der Stadtplanung eher nachgefolgt ist.

Risiken und Herausforderungen[Bearbeiten]

Die Durchdringung aller Lebensbereiche durch moderne Informations- und Kommunikationstechniken ist nicht ohne Risiken; hierzu gehören:

  • Datensicherheit, Funktionstüchtigkeit auch in Krisen- oder Katastrophensituationen
  • Datenschutz
  • Notwendigkeit neuer Infrastrukturen für "Open Data" und "Big Data" mit neuartigen Systemerfordernissen
  • Fragen der Kompatibilität von isoliert entwickelten Lösungen sowie der gesellschaftlichen Akzeptanz.

Die Verbindung zwischen "Smart City" und dem Konzept der "nachhaltigen Stadt" wird oft benannnt, ist aber nicht selbstverständlich gegeben. So ermöglichen neue Technologien häufig eine effizientere Nutzung von Ressourcen, können aber ihrerseits auch neue Umweltprobleme (Verbrauch knapper Ressourcen wie seltener Erden, Produktion von Elektronikschrott, Energieverbrauch bei Herstellung und Betrieb) verursachen. Die Externalisierung ökologischer und sozialer Kosten ist nicht auszuschließen. Rebound-Effekte können die Einparung von Ressourcen wieder zunichte machen. Nicht alle Innovationen stoßen auf Akzeptanz, so haben sich z. B. Smart-Home-Konzepte (die bereits seit den 90er Jahren entwickelt werden) bislang nicht durchsetzen können. Schließlich setzen Alter, Herkunft, Einkommen und soziale Schicht Grenzen für die Teilhabe, die zu neuen sozialen Spaltungen führen können.

Mit "Smart City" öffnen sich neue Zukunkftsmärkte, die sowohl große internationale Unternehmen als auch Neugründungen von Firmen auf den Plan rufen. Die gesellschaftliche Diskussion und Entscheidung, welche Entwicklungen gewollt oder nicht gewollt sind, wird eine besondere Herausforderung sein. Kommunen sind aufgerufen, diese Diskussion zu führen und mit Hilfe ihrer Beteiligungen und Infrastrukturen für einen demokratischen Prozess zu sorgen. Bisher ist dies nicht der Fall: Das Thema wird in unterschiedlichen Gremien, vor allem in Fachgremien und in der Wissenschaft, ohne große Beteiligung der Öffentlichkeit diskutiert. Die Orientierung an den Bedürfnissen der Nutzer/innen droht häufig zu kurz zu kommen.

Vom Konzept zur Konkretisierung[Bearbeiten]

"Smart City"-Projekte gibt es weltweit in verschiedenen größeren Städten, im deutschsprachigen Raum beispielsweise in Berlin, Wien und Zürich. An einigen größeren Universitäten wird zu diesem Thema praxisbezogen geforscht, beispielsweise im "Urban Lab", einer interdisziplinären Forschungsplattform an der TU Berlin. Diese "Labs" sollen zum einen als "interaktives Kommunikations- und Simulationsinstrument" dienen, um Ideen modellhaft auszuprobieren. Zum anderen sollen in konkreten Räumen, z. B. Quartieren, Pilotprojekte durchgeführt werden, um die Realisierbarkeit von Ideen zu testen.

Die Umsetzung in die Praxis wird insbesondere im EU-Projekt Horizon 2020 (deutsch: Horizont 2020), einem Rahmenprogramm der Europäischen Union für Forschung und Innovation, gefördert. Im Förderbereich III "Gesellschaftliche Herausforderungen" werden Aufgaben wie sichere, saubere und effiziente Energie, intelligenter, umweltfreundlicher und integrierter Verkehr sowie Klimaschutz, Umwelt, Ressourceneffizienz und Rohstoffe benannt. Konkret werden z. B. Null- u. Niedrigenergiequartiere, integrierte Infrastrukturen sowie Projekte mit dem Ziel nachhaltiger städtischer Mobilität gefördert.

Nur in wenigen Städten gibt es ein von Politik und Verwaltung unter dieser Bezeichnung implementiertes "Smart City"-Projekt; ein Beispiel hierfür ist Wien (siehe unter "Weblinks").

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert eine "Nationale Smart-City-Strategie", um den Rückstand Deutschlands bei der Digitalisierung auf kommunaler Ebene aufzuholen. Dazu gehört für ihn auch ein einheitlicher Rechtsrahmen sowie ein KfW-Förderprogramm.[1]

Publikation von BBSR, PwC und Fraunhofer IAO[Bearbeiten]

Eine gemeinsame Publikation des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung mit PwC und der Fraunhofer IAO kommt zu dem Schluss: Kommunen müssen die Digitalisierung zur strategischen Aufgabe machen, um bei der Stadtentwicklung handlungsfähig und unabhängig zu bleiben. Die Studie wird in Form von vier Einzelpublikationen veröffentlicht, die jeweils kostenlos zum Download zur Verfügung stehen:

  • Digitalisierung und die Transformation des urbanen Akteursgefüges
  • Die neue Stadtökonomie – Strukturwandel in Zeiten der Digitalisierung
  • Die Weisheit der Vielen – Bürgerbeteiligung im digitalen Zeitalter
  • Mind the Gap – Digitale Integration als Basis für smarte Städte

Link zur Publikation[Bearbeiten]

Fußnote[Bearbeiten]

  1. DStGB, Digitalisierung der Daseinsvorsorge braucht eine nationale Strategie, Pressemitteilung vom 24.06.2017; vgl. auch Der neue Kämmerer, Städte- und Gemeindebund fordert nationale Smart City-Strategie, 23.02.2017

Weblinks[Bearbeiten]