Spannungsgeladen. Die Zukunft der Energieversorgung

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Angaben zur Literatur:


Hrsg: Oekom e.V., Verein für ökologische Kommunikation (politische ökologie 126 - 2011)

Spannungsgeladen. Die Zukunft der Energieversorgung

Verlag: oekom-Verlag
Ort: München
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenzahl: 146
Preis: 16.90 €
ISBN 978-3-86581-230-8


  • Angela und Karlheinz Steinmüller: Hausgemacht und hochgeistig. Energiegewinnung anno 2050
  • Frank Uekötter: Utopien pflastern den Weg. Eine kurze Geschichte der Energie
  • Gotthard Bechmann: Denken in Wahrscheinlichkeiten. Katastrophe und Sicherheit
  • Christof Timpe: Quo vadis, deutsche Energiepolitik? Entwicklungen nach Fukushima
  • Irm Scheer-Pontenagel: Eine Frage der politischen Effektivität. Erneuerbare und Versorgungsstrukturen
  • Bernward Janzing: Ein Tortenstück namens Erneuerbare. Prognosen und Szenarien
  • Wolf Schluchter: Zeit für einen positiven Lobbyismus. Energiewirtschaft und Politik
  • Gotelind Alber: Eine vom Boom überrannte Vision. Machtstrukturen in der Branche der Erneuerbaren
  • Wilfried Kühling: Im Magnetfeld der Energiewende. Gesundheitliche Aspekte bei Hochspannungsnetzen
  • Gundula Hübner: Nicht ohne lokale Expertise. Akzeptanz von Erneuerbaren in der Bevölkerung
  • Interview mit Harald Welzer: „Soziale Bewegungen entstehen durch Minderheiten“. Die Zukunft des zivilgesellschaftlichen Protests
  • Marcel Hänggi: Aus der Schildbürgerpolitik aussteigen. Das Ziel der Energiewende
  • Lars-Arvid Brischke und Laura Spengler: Ein Fall für zwei. Effizienz und Suffizienz
  • Stefan Lechtenböhmer und Sascha Samadi: Decarbonize the World. Die Transformation zu einem nachhaltigen Energiesystem
  • Heinz Smital: Der ideale Motor für die Wende. Ausstieg aus Atomkraft und fossilen Energien
  • Peter Wahl: Neue Zeiten, alte Stromquellen? Die Energiewende und weltpolitische Veränderungen
  • Franz Xaver Perrez: Weltumweltorganisation oder globale Umweltziele? Das internationale Umweltregime
  • Ulrich Jasper: Gute Gründe gibt es genug. Reform der EU-Agrarpolitik
  • Daniel Pentzlin: Wo ein politischer Wille ist, ist auch ein praktischer Weg. Nachhaltiges Bankwesen
  • Ansgar Mayer: Grüne Meinungsmacher gegen klassische PR-Maschinerie. Ökoaktivismus und Social Media
  • Angelika Zahrnt und Valentin Zahrnt: Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten. Liberalismus und Umweltschutz

Rezension von Herbert Klemisch (Leverkusen)[Bearbeiten]

Die Katastrophe von Fukushima hat endgültig bestätigt, dass die Atomkraft eine unverantwortliche Technologie ist. Aber auch die fossilen Brennstoffe gehen zur Neige. Der Klimaschutz und dessen Umsetzungsstrategien durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Energieeffizienz müssen deutlich an Tempo zulegen, soll der weltweite Klimawandel gebremst werden.

In „Spannungsgeladen“ werden mit einer Fülle von klugen Beiträgen die möglichen Szenarien und ihre Probleme beschrieben. Was technisch durch den Ausbau der regenerativen Energie und die systematische Umsetzung von Energieeffizienz möglich ist, stößt andererseits trotz propagierter Energiewende auf politische und gesellschaftliche Hemmnisse. So muss der Gebäudesektor nach den Szenarien der Bundesregierung 2050 weitgehend CO2-neutral sein. Aber um überhaupt die heute bestehenden Gebäude einmal energetisch sanieren zu könne, muss die Sanierungsrate kräftig von heute einem Prozent auf 2,5% angehoben werden (Timpe, 36).

„Die meisten Szenarien zur Energiezukunft haben einen großen Mangel: Sie setzen sich sehr intensiv mit Potenzialen und Zielen auseinander, benennen aber kaum die notwendigen Instrumente“, so beschreibt Janzing (48) die Kluft zwischen Anspruch und Umsetzung der Energiewende. Hinzu kommt, dass sich die Unternehmen der Erneuerbaren-Energien-Branche immer mehr dem Mainstream anpassen.

Das positive Image der Branche leitet sich u.a. aus den Arbeitsplatzeffekten ab, wonach die EE-Branche mit 370.000 Beschäftigten mittlerweile den traditionellen Sektor der Energiewirtschaft mit 235.000 Beschäftigten überholt hat. Allerdings ist die Branche eindeutig männlich (75% der Beschäftigen), und obwohl Frauen zu einem deutlich höheren Anteil Atomkraft ablehnen und Maßnahmen zur Förderung der EE unterstützen, können sie hiervon nicht wirtschaftlich profitieren (Alber, 63).

Zur Umsetzung bedarf es einer Veränderung der Leitkultur der Verschwendung und ein partielles Verlassen der Wachstumswirtschaft (Welzer, 77). Denn Effizienzstrategien für Autos zu erlassen und gleichzeitig Straßen auszubauen ist ähnlich paradox wie die Erneuerbaren Energien zu fördern, ohne das atomare und fossile Energieangebot deutlich zu kürzen.

Für die Erneuerbaren Energien kommt als Vorteil hinzu, dass sie sich für eine dezentrale Umsetzung eignen: „Idealerweise gehören die Energieunternehmen den Verbrauchern selbst, etwa als Stadtwerk oder Verbrauchergenossenschaft“ (Hänggi, 82).

Insgesamt ist „Spannungsgeladen“ ein mit Spannung zu lesendes Buch, welches die Bandbreite der Umsetzung der Energiewende und des nachhaltigen Wirtschaftens aufzeigt. Ein Muss für jede/n, der/die in diesem Bereich mitdiskutieren will.

Quelle: AKP 5/13.

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