Verwaltungskultur

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Verwaltungskultur bezeichnet Wahrnehmungs-, Deutungs- und Verhaltensmuster von öffentlich Bediensteten (inkl. leitenden Beamten). Kultur besteht aus dem Zusammenspiel von Werten, Normen, Denkhaltungen und psychischen Phänomenen, welche Bedienstete gemeinsam teilen und damit ihrem Handeln zugrundelegen.

Dabei können einerseits verwaltungsinterne Perspektiven (untereinander, gegenüber neuen Mitarbeitern etc.) und andererseits verwaltungsexterne Sichtweisen (gegenüber Politikern, Bürgern, Medien etc.) unterschieden werden.

Legalistische Verwaltungskulturen[Bearbeiten]

Für deutsche Verwaltungen maßgeblich sind hierbei die im Grundgesetz fixierten Prinzipien des "klassischen" Berufsbeamtentums (z.B. Lebenszeit-, Leistungs- und Alimentationsprinzip). Wichtige Grundlagen hierfür wiederum liefert die Bürokratie-Theorie von Max Weber. Gleichwohl ist - das zeigen Erkenntnisse aus der Anthropologie - Kultur immer schon auch organisationsspezifisch geprägt. So haben sich etwa Kulturen in Polizeidienststellen immer schon unterschieden von solchen in Baubehörden.

Managerialistische Verwaltungskulturen[Bearbeiten]

In den 1990er Jahren hat insbesondere die Diskussion um das New Public Management (NPM) die Auseinandersetzung mit verwaltungskulturellen Phänomenen gefördert: Öffentliche Verwaltungen erwiesen sich oft als sehr veränderungsresistent gegenüber dem NPM, was als Ausdruck der bestehenden "starken" legalistisch-bürokratischen Kultur gedeutet wurde.

Zivilgesellschaftliche Verwaltungskulturen[Bearbeiten]

Circa seit der Jahrtausendwende besteht das Leitbild des aktivierenden (Governance-)Staats. Öffentliche Verwaltung wird hierbei idealtypisch als nicht mehr hoheitlich, sondern primär als diskursiv agierend verstanden. Im Zentrum stehen nun vertrauensvoll-partnerschaftliche Netzwerke zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft (z.B. mit Nichtregierungsorganisationen wie Rotes Kreuz und Amnesty International).

Änderung von Verwaltungskultur[Bearbeiten]

Ansatzpunkte für Modifikationen von Verwaltungskultur liegen in erster Linie in langfristigen, partizipativen Organisations- und Personalentwicklungsprozessen, bei denen regelmäßig auch ein Verwaltungsleitbild erarbeitet wird. Sinnvoll ist hierbei in aller Regel auch verwaltungsexterne Unterstützung, um problematische selbstreferenzielle Phänomene von Verwaltungskultur behutsam zu überwinden.

Insgesamt ist kultureller Wandel paradoxerweise immer sowohl Ausgangspunkt als auch Ziel von Verwaltungsmodernisierungen. Dies macht die Thematik so enorm schwierig und anspruchsvoll.

Literatur[Bearbeiten]

  • Faust, Thomas: Organisationskultur und Ethik: Perspektiven für öffentliche Verwaltungen, Berlin 2003/2006. ISBN 3-86504-032-2
  • Kluth, Winfried (Hrsg): Verwaltungskultur, Baden-Baden 2001. ISBN 3-7890-7264-8
  • König, Klaus/Reichard, Christoph (Hrsg.): Theoretische Aspekte einer managerialistischen Verwaltungskultur, Speyer 2007. ISBN 978-3-932112-92-8
  • Nagel, Erik/Müller, Werner R.: New Public Management: (k)ein Wandel ohne Kulturentwicklung(!), Basel 1999. ISBN 3-909162-20-7
  • Römer-Hillebrecht, Sven: Verwaltungskultur: ein holistischer Modellentwurf administrativer Lebensstile, Baden-Baden 1998. ISBN 3-7890-5144-6

Siehe auch[Bearbeiten]