Zukunftskonferenz

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Eine Zukunftskonferenz ist eine Lern-, Dialog-, Visions- und Planungstagung mit 30 bis 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und ist damit der große Bruder der Zukunftswerkstatt[1]. Ziel ist nicht, Konflikte zu bearbeiten oder zu lösen, sondern eine gemeinsame, von allen getragene Vision zu entwickeln. „Die Zukunftskonferenz wird typischerweise am Anfang eines Prozesses eingesetzt, wenn Organisationen oder eine Gemeinde eine Neuorientierung oder einen Aufbruch planen, an dem wichtige Strömungen, Interessengruppen usw. mitwirken sollen“.[2]

Merkmale einer Zukunftskonferenz[Bearbeiten]

Eine Zukunftskonferenz dauert in der Regel drei Tage. Weitere Merkmale (bzw. Erfolgsbedingungen) von Zukunftskonferenzen sind:[3]

  • Das ganze offene System der Organisation ist in einen Raum zu bringen.[4]
  • lokales Handeln mit Blick auf den „ganzen Elefanten[5]“.
  • Der Fokus liegt auf der Zukunft (Vision) statt auf Problemen der Gegenwart oder Vergangenheit.
  • Eigenverantwortliches Arbeiten in Kleingruppen.
  • Am Ende der Zukunftskonferenz soll öffentlich erklärt werden, welche konkreten Schritte daraus resultieren.

In Deutschland ist das Anwendungsspektrum von Zukunftskonferenzen groß. Krankenhäuser, Wohlfahrtsverbände, Schulen, Kirchengemeinden, Entwicklungshilfeorganisationen und Universitäten haben ihre Zukunft mit dieser Methode in Angriff genommen. Geografische Einheiten, so klein wie ein Straßenzug in Berlin oder so groß wie eine ländliche Region in Nordhessen, haben von ihr profitiert. Fusionen wurden mit Zukunftskonferenzen begleitet, strategische Ziele und Leitbilder entwickelt und Agenda 21-Prozesse[6] gefördert“.[7]

Arbeitsschritte der Zukunftskonferenz[Bearbeiten]

  • Rückblick auf die Vergangenheit: Wo kommen wir her?
  • Betrachtung der Gegenwart: 1. Welche Entwicklungen kommen auf uns zu? 2. Worauf sind wir stolz? Was bedauern wir?
  • Idealszenarien für die Zukunft entwickeln: Was wollen wir gemeinsam erreichen?
  • Erarbeitung des Konsens: Welche Ziele werden von allen getragen?
  • Ableitung und Planung von Maßnahmen: Was sollten wir jetzt mit wem tun?

Während die Beschäftigung mit der Vergangenheit in repräsentativen Kleingruppen erfolgt, läuft die Arbeit an der Gegenwart in „steakholder“-Gruppen ab. Die Maßnahmenplanung hingegen erfolgt sowohl in „steakholder“- als auch in ad hoc gebildeten Gruppen.[8]


Grenzen der Zukunftskonferenz[Bearbeiten]

Der Vorteil der Zukunftskonferenz liegt in einem stark strukturierten Verfahren, denn jeder Arbeitsschritt ist vorgegeben. Zwar ist das Ergebnis offen, aber die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stehen hinter den Ergebnissen und lernen die Sichtweise anderer Interessengruppen kennen.[9] Der Erfolg der Zukunftskonferenz basiert auf der Kraft von Aktionsgruppen, die auf Grund eines gemeinsamen Anliegens eigeninitiativ und selbstverantwortlich handeln wollen und können. Fundamentale Meinungsunterschiede kann die Zukunftskonferenz nicht lösen und sie ist auch nicht dazu geeignet, wenn es um ja/nein-Entscheidungen geht.[10]


Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Bauer, Peter (2003): Zukunftskonferenz (Future Search Conference). Mit einer größeren Gruppe die gemeinsame Zukunft entwerfen und umsetzen. In: Ley, Astrid/Weitz, Ludwig (Hrsg.) (2003): Praxis Bürgerbeteiligung. Ein Methodenhandbuch. Bonn, S. 274f.
  2. vgl. ebd., S.276
  3. Weisbord, Marvin/Janoff, Sandra (2001): Future Search. Die Zukunftskonferenz. Wie Organisationen zu Zielsetzungen und gemeinsamem Handeln finden. Stuttgart, 2001. S. 85f.
  4. D. h., dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen repräsentativen Querschnitt der Betroffenen darstellen. Alle Teilnehmer sind die ganze Zeit in einem Raum und dort werden auch die Gruppenarbeiten durchgeführt (zur Bonsen, Matthias (2001): Vorwort zur deutschsprachigen Ausgabe. In: Weisbord, Marvin/Janoff, Sandra (Hrsg.) (2001): Future Search. Die Zukunftskonferenz. Wie Organisationen zu Zielsetzungen und gemeinsamem Handeln finden. Stuttgart, S. 134f.).
  5. Der Ausdruck „der ganze Elefant“ soll verdeutlichen, antatt den Blick auf die Zukunftskonferenz zu verengen auch den Hintergrund bzw. die Außenwelt einzubeziehen (offenes System) (vgl. Weisbord, Marvin/Janoff, Sandra (2001): Future Search. Die Zukunftskonferenz. Wie Organisationen zu Zielsetzungen und gemeinsamem Handeln finden. Stuttgart, 2001)
  6. Die Agenda 21 ist ein globales Programm, das 1992 von den damaligen Mitgliedern der UNO verabschiedet wurde. Es enthält Maßnahmen in zahlreichen Politikfeldern, um die Lebens- und Wirtschaftsweise zukunftsfähig zu gestalten. Die Agenda 21 sieht auch Nachhaltigkeitsprozesse in Kommunen vor. Dabei wird ein lokaler Aktionsplan entwickelt, der das Resultat eines Kommunikations- und Partizipationsprozesses ist (vgl. de Haan/ Kuckartz/Rheingans-Heintze 2000: 9).
  7. zur Bonsen, Matthias (2001): Vorwort zur deutschsprachigen Ausgabe. In: Weisbord, Marvin/Janoff, Sandra (Hrsg.) (2001): Future Search. Die Zukunftskonferenz. Wie Organisationen zu Zielsetzungen und gemeinsamem Handeln finden. Stuttgart, S.10
  8. Weisbord, Marvin/Janoff, Sandra (1997): Future Search. An Action Guide to Finding Common Ground in Organizations & Communities. San Francisco, 1997, S.5
  9. Maleh, Carole (2001): Open space: effektiv arbeiten mit großen Gruppen: ein Handbuch für Anwender, Entscheider und Berater, 2., aktualisierte Aufl. Weinheim, S.25
  10. Bauer, Peter (2003): Zukunftskonferenz (Future Search Conference). Mit einer größeren Gruppe die gemeinsame Zukunft entwerfen und umsetzen. In: Ley, Astrid/Weitz, Ludwig (Hrsg.) (2003): Praxis Bürgerbeteiligung. Ein Methodenhandbuch. Bonn, S. 276


Quelle[Bearbeiten]

  • Sarcinelli, Ulrich/ König, Mathias/ König, Wolfgang: Bürgerbeteiligung im Rahmen der Kommunal- und Verwaltungsreform in Rheinland-Pfalz. Gutachten zur Bürgerbeteiligung in der Freiwilligkeitsphase. Leitfaden für kommunale Gebietskörperschaften. Universität Koblenz-Landau, Campus Landau Institut für Sozialwissenschaften, Abt. Politikwissenschaft, Juli 2010