Regionalstadtbahn

Aus KommunalWiki

(Weitergeleitet von Zweisystembahn)

Eine Regionalstadtbahn hat den Zweck, innerstädtischen öffentlichen Nahverkehr direkt und umsteigefrei mit dem Bahnverkehr im Umland zu verknüpfen. Zu diesem Zweck wurden Fahrzeuge entwickelt, die sowohl auf Straßenbahngleisen als auch auf Bahngleisen verkehren können. Die Fahrzeuge müssen für die unterschiedlichen Stromsysteme und Schienenverhältnisse geeignet sein und die Zulassungsbedingungen für beide Systeme erfüllen, das Personal muss für beide Einsatzgebiete ausgebildet werden.

Für die Regionalstadtbahn sind viele weitere Bezeichnungen geläufig: Tram-Train, Regionalstraßenbahn, Regiotram, Stadtregiotram, Stadtregionalbahn, Stadt-Umland-Bahn, Zweisystem(stadt)bahn oder Mehrsystem(stadt)bahn.

Karlsruher Modell[Bearbeiten]

Nach historischen Vorgängern, die teilweise auch dem Güterverkehr dienten, wurde die erste moderne Zweisystemstadtbahn 1992 in der Region Karlsruhe in Betrieb genommen. Die Stadtbahn Karlsruhe erschließt heute die gesamte Region Mittlerer Oberrhein und verbindet sie mit den Nachbarregionen. Im Stadtgebiet von Karlsruhe verkehrt sie wie eine Straßenbahn. In Deutschland werden heutige Regionalstadtbahnen daher oft auch als "Karlsruher Modell" bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Chemnitzer Modell[Bearbeiten]

Für bessere Verbindungen der innerstädtischen Bahn- und Busnetze mit dem Umland wird mit dem "Chemnitzer Modell" ein Bahnnetz geschaffen, bei dem neben dem "Tram Train" bzw. der "Variobahn" (die als Eisenbahn wie als Straßenbahn betrieben werden können) auch sog. "Citylink"-Zweisystemfahrzeuge eingesetzt werden. Letztere können elektrisch über eine Oberleitung wie auch dieselelektrisch betrieben werden und sind dadurch für Strecken geeignet, die nur teilweise elektrifiziert sind. Die Machbarkeitsstudie wurde 1995 veröffentlicht; derzeit (April 2022) sind von sechs geplanten Ausbaustufen drei fertiggestellt. Die 2022 erworbewnen Zweisystem-Regionalstadtbahnen werden nach dem Mobility-Owner-Konzept finanziert; dabei ist die Stadt Eigentümerin der Fahrzeuge und schreibt den Betrieb aus.

Siehe dazu[Bearbeiten]

Weitere Beispiele[Bearbeiten]

In Deutschland gibt es inzwischen weitere Regionalstadtbahnen, beispielsweise

Siehe auch[Bearbeiten]

Regionalstadtbahn Neckar-Alb: Innenstadtstrecke Tübingen gescheitert[Bearbeiten]

Logo der Initiative "Nein zur Stadtbahn"

Im Raum Tübingen / Reutlingen (Baden-Württemberg) ist eine Regionalstadtbahn nach Karlsruher Vorbild unter der Bezeichnung "Regionalstadtbahn Neckar-Alb" (RSB) in Planung, die im Endausbau auch die Gemeinden Herrenberg, Horb, Hechingen, Sigmaringen und Rottweil einbeziehen soll. Eine erste Linie sollte Reutlingen mit Herrenberg verbinden und hätte im Stadtgebiet von Tübingen sechs Haltepunkte gehabt. Da das Projekt nicht unumstritten war, führte die Stadt Tübingen vor der endgültigen Entscheidung einen Bürgerentscheid über das Projekt durch. Dabei wurde am 26.09.2021die Streckenführung durch die Tübinger Innenstadt mit einer Mehrheit von 57,39% (bei einer Wahlbeteiligung von 78,41%) abgelehnt.

Die Stadt Tübingen und auch die Universität hatten sich für die Streckenführung eingesetzt, durch die einige Buslinien teilweise ersetzt worden wären; auch die regionalen Gruppen des ADFC und des BUND votierten für die Schienenstrecke. Die Stadtbahn sollte dazu beitragen, die ehrgeizigen Klimaschutzziele Tübingens zu erreichen. Dagegen wandten sich z.B. der Schwäbische Heimatbund und die Initiative "Nein zur Stadtbahn". Sie argumentierten u. a. damit, dass das historische Stadtbild Tübingens durch Gleise und Oberleitungen teilweise "platt gemacht" werde. Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck hält die Tübinger Entscheidung für kurzsichtig: "kleinkariertes und selbstsüchtiges Kleinstadtdenken" habe sich in Tübingen durchgesetzt. Der Tübinger OB Boris Palmer will jetzt nach einer Alternative zur ursprünglich geplanten Streckenführung suchen.

Weblinks zur geplanten RSB und zum Bürgerentscheid[Bearbeiten]

Planung im Kreis Ludwigsburg[Bearbeiten]

Eine weitere Regionalstadtbahn ist im Kreis Ludwigsburg (Baden-Württemberg) geplant; beteiligt sind die Gemeinden Ludwigsburg, Markgröningen, Möglingen, Remseck und der Landkreis. Im Juli 2020 einigten sich die beteiligten Kommunen, als Träger der neuen Bahn einen Zweckverband zu gründen. Geprüft wird, eine bereits bestehende Bahnstrecke zwischen Ludwigsburg und Markgröningen für den ersten Teil der neuen Bahn zu nutzen, um die Planungen zu beschleunigen.[1]

Citybahn ist keine Regionalstadtbahn[Bearbeiten]

Keine Regionalstadtbahn im Sinne des Karlsruher Modells war die (geplante, aber nicht gebaute) "Citybahn" Wiesbaden - Mainz - Taunusstein - Bad Schwalbach. Sie war technisch als Straßenbahn mit 1-m-Spur konzipiert, auch wenn sie regional verkehren sollte. Das Projekt wurde am 01.11.2020 bei einem Bürgerentscheid in Wiesbaden abgelehnt. Gegen das Projekt stimmten 62,1% der Abstimmenden.

Siehe zur Citybahn[Bearbeiten]

Meldungen vor der Abstimmung:

Fußnote[Bearbeiten]

  1. Ludwigsburger Kreiszeitung: Zweckverband soll schnell kommen, 04.07.2020