Links sein - Politische Praxen und Orientierungen in linksaffinen Alltagsmilieus

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Angaben zur Literatur:


Autor(en): Ingo Matuschek


Links sein - Politische Praxen und Orientierungen in linksaffinen Alltagsmilieus

Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Ort: Wiesbaden
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenzahl: 269
Preis: 29,95 €
ISBN 978-3-531-17461-7


Aus dem Inhalt[Bearbeiten]

  • Die Linksaffinen: Mosaik oder zersplitterte Bewegung?
  • Linksaffine vs. Tendenzlose und Rechtsaffine: Was charakterisiert das erweitere linke Spektrum?
  • Einzelne Milieus der Linksaffinen
  • Wie sehen Linksaffine die Gesellschaft?
  • Was befördert politische Aktivität, was bremst diese?
  • Von der Mosaik-Linken zur gesellschaftlichen Hegemonie?

Rezension von Dieter Emig (Karlsruhe)[Bearbeiten]

Was ist links? - Eine Frage, die die Einen ewig umtreibt, während Andere sie wegen ihres hohen Spaltpotentials schon gar nicht mehr stellen mögen. Eine einfachere Annäherung könnte darin bestehen, das aktuelle Links-Sein empirisch zu erheben. Das haben Matuschek und seine Mitstreiter in der vorliegenden Studie unternommen. Sie haben sich Leute aus Milieus und Lebenszusammenhängen vorgenommen, die sich selbst als links verstehen, sie befragt, interviewt und diskutieren lassen. Dabei ist nichts Überraschendes herausgekommen.

Antifa, Praktika-Generation, Gewerkschaft, Arbeitslose, Alternative, sozial Engagierte, Theorie-Zirkel des Marxismus-Leninismus, Globalisierungskritiker/innen: irgendwie schon alles mal gehört, gelesen, mitbekommen. Die etwas mühsame Lektüre durch die Redundanzen empirischer Erhebungspraktiken endet in der Klarheit der Vielfalt. Da mögen sich viele abwenden und es auf sich beruhen lassen. Doch gibt es da eine Relevanz, die sich auf den ersten Blick nicht erschließt. Ein lokalisierbares Erkenntnisinteresse äußert sich in Bezügen auf Gramsci, Laclau, Mouffe, Bourdieu, und in Begriffen wie Hegemonie. Hintergrund ist die schwärende Wunde in der Historie linker Bewegungen: Entgegen der auf Schriften von Marx, Bakunin, Lenin usw. beruhenden Hoffnungen und Dogmen, die Ausgebeuteten würden unweigerlich und kurzfristig ihre degenerierende Ausbeuterklasse in die Knie zwingen, zieht sich ein ungeheuerlicher Blutstrom aus Niederlagen durch das 20. Jahrhundert. Da, wo sich die Option Sozialismus zur Herrschaft kämpfte, vertierte sie oft in eine neue Form der Unterdrückung. In der "friedlichen" Variante lief die Arbeiterklasse zur Sozialdemokratie über, der ihr zugeschriebene systemsprengende Impuls löste sich in Luft auf. Die orthodoxe Ideologie, vor allem ihr Ökonomismus, das Handeln der Menschen aus ihrer Klassenherkunft abzuleiten, erwies sich als unterkomplex und falsch.

Das vorliegende Buch ist Teil der Versuche, hier neue Wege zu finden. Links sein kann als Milieuzugehörigkeit definiert werden, eine relativ flüssige Größe, die von den individuellen Lebensumständen mitbestimmt wird. Wie kann aus diesem Gebräu Solidarität, letztlich "kulturelle Hegemonie" entstehen? Das ist der neue Diskurs an Stelle des erledigten Postulats der Einheit der Arbeiterklasse. Wer ihn für relevant hält, dem wird diese Untersuchung einige Aufschlüsse geben.

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Siehe auch[Bearbeiten]