Politik zum Selbermachen

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Angaben zur Literatur:

Leipprand Politik.gif

Autor(en): Eva Leipprand


Politik zum Selbermachen

Verlag: Suhrkamp / Insel
Ort: Berlin
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenzahl: 171
Preis: 11,95 €
ISBN 978-3-518-46268-3


Vollständiger Titel[Bearbeiten]

Politik zum Selbermachen. Eine Gebrauchsanweisung

Inhalt[Bearbeiten]

  • Der Einstieg
  • Der Ortsverein
  • Die Liste
  • Der Infostand
  • Der Populist
  • Die Stadtratssitzung
  • Die Beschlussvorlage
  • Die Frauen und die Männer
  • Der Wahltag
  • Die Referentenwahl
  • Die Kleidung
  • Die Klientel
  • Das Grußwort
  • Der Dienstwagen
  • Die Finanzberatungen
  • Der Bürgerwille
  • Die Fassade
  • Die Wirtschaft
  • Die Medien
  • Der Sponsor
  • Die Intrige
  • Die Macht

Kurzrezension von Wolfgang Pohl[Bearbeiten]

Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen als Ratsmitglied und Referentin in Augsburg beschreibt die Autorin den Weg in die institutionalisierte Kommunalpolitik: von der Entscheidung, sich einzumischen, über die Erfahrungen im Wahlkampf, im Rat und in der Stadtregierung bis zum Umgang mit politischen Gegnern, den Medien und den BürgerInnen. In kurzen Kapiteln werden Erlebnisse geschildert, Schlussfolgerungen gezogen und Lernprozesse nachgezeichnet; dazu gibt es oft Abschnitte wie "Was denkst du?" und "Lektion". Kleine Testfragen am Schluss jedes Kapitels sollen der Leserin und dem Leser Hinweise geben, ob sie/er für diese Form von Politik die richtige Motivation und innere Einstellung mitbringt. Ein überaus kurzweiliges und lesbares, nicht selten witziges und ironisches Buch, das auch Menschen, die nicht selbst in die Politik gehen wollen, einen guten Einblick in diesen Bereich unserer Gesellschaft vermittelt.

Die Autorin zum Buch[Bearbeiten]

Ich will das Verhältnis Bürgerin - Politiker in seiner Komplexität darstellen. Beide sind voneinander abhängig und wirken zusammen, wenn es um Entwicklungen geht. Im Kapitel "Der Bürgerwille" ist der Gedankengang zusammengefasst. Wenn es eine Botschaft gibt, dann die: Der Bürger/Wähler handelt fahrlässig, wenn er nur auf die Politikerin schimpft und ansonsten sich in sein Privatleben zurückzieht. Ich will nichts beschönigen, auch nicht die Politiker verteidigen. Trotzdem: Wir müssen uns alle darum kümmern, dass wir uns politisch sinnvoll organisieren; dass das System so gestaltet ist, dass es zu unserem Vorteil funktioniert. Dazu gehört auch, sicherzustellen, dass wir nicht von unfähigen Leuten, sondern von solchen regiert werden, die der Aufgabe gewachsen sind. Der Bürger ist dabei selber Teil des Spiels und mit in der Verantwortung. Die Übergänge aus dem "normalen" Leben zur Politik im engeren Sinne sind fließend. Wenn der Bürger sich nicht kümmert, überlässt er möglicherweise den Falschen das Feld und darf sich nicht wundern, wenn sein eigenes Lebensumfeld und auch die Entwicklung im großen Rahmen nicht zu seinem langfristigen Wohl verläuft.

Selbstverständlich ist auch die Politik gefragt, wenn es darum geht, die Kluft zwischen Bürger und Politiker zu überbrücken. Im Kapitel "Der Bürgerwille" sind ein paar Hinweise auf bewährte Methoden gegeben, insbesondere die frühzeitige Einbindung der Bürgerschaft/der Akteure in Entscheidungen. Dazu kommen die neuen Möglichkeiten des Internets. Am wichtigsten ist meiner Meinung nach die Erkenntnis: Jeder ist in irgendeiner Form an dem, was auf der politischen Ebene geschieht, beteiligt. Diese Erkenntnis will das Buch befördern. Stuttgart 21 zeigt: Die Bürgeinnen sind bereit, sich einzumischen. Das heißt aber auch: Verantwortung zu übernehmen, auch für unbequeme Wege; Politik als Kompromiss zu sehen, als Kunst des Möglichen; nicht immer werden die eigenen Erwartungen erfüllt. Das wird jetzt in Baden-Württemberg deutlich werden. Wichtig ist aber: es muss das Vertrauen wieder entstehen, dass das, was auf der politischen Ebene verhandelt wird, tatsächlich eine Bemühung zu Wohle aller ist und nicht den Interessen weniger dient. Dieses Vertrauen wurde in den großen Krisen der letzten Jahre, am stärksten wohl in der Finanzkrise, fundamental erschüttert und war auch im Fall von Stuttgart 21 nicht mehr vorhanden.

Soll das Vertrauen zwischen Bürger und Politikerin wiederhergestellt werden, dann werden wir nicht darum herumkommen, eine Debatte darüber zu führen, was denn das Wohl aller ist. Gibt es ein gemeinsames Ziel, auf das wir hin arbeiten? Bei jeder Maßnahme gibt es Gewinner und Verlierer. Können wir ein gemeinsames Interesse formulieren, das es den Verlierern leichter macht, zurückzustecken?

Ich habe hierzu im Buch Andeutungen gemacht, leicht ironisch - ein bisschen "die Welt retten". Die Aufgabe der Politik müsste meiner Meinung nach heute sein, in weltweitem Zusammenwirken den Übergang in eine Lebens- und Wirtschaftsweise zu finden, die kommenden Generationen noch eine Chance lässt. Dazu braucht es einen kulturellen Wandel, der nur zusammen mit den Bürgerinnen gelingen kann, von diesen auch bewusst angestoßen werden muss. Wenn sich die Mehrheit zurücklehnt und das Treiben der Politiker wie eine allabendliche Soap-Sendung betrachtet und diesen bei Fehlentwicklungen die ganze Schuld in die Schuhe schiebt, wird sich nichts Wesentliches ändern. Deshalb dieses Buch.

Weblinks[Bearbeiten]