Sozialismus (Lehrbuch)

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Angaben zur Literatur:


Autor(en): Thomas Meyer


Sozialismus (Lehrbuch)

Verlag: VS-Verlag
Ort: Wiesbaden
Erscheinungsjahr: 2008
Seitenzahl: 153
Preis: 12,90 €
ISBN 978-3-531-15445-9


Aus dem Inhalt[Bearbeiten]

  1. Einleitung
  2. Der sozialistische Impuls
  3. Der Sozialismus im 19. Jahrhundert
  4. Sozialismus im 20. Jahrhundert
  5. Die Modernisierung des Sozialismus
  6. Theorie und Praxis
  7. Ausblick

Rezension von Gerald Munier (Bielefeld, 2009)[Bearbeiten]

Das handliche, kleine Bändchen des Dortmunder Professors für Politikwissenschaft, welches in der Reihe "Lehrbuch - Elemente der Politik" erschienen ist, beeindruckt zunächst einmal, weil es das große Lehrgebäude des Sozialismus nicht ausufernd, sondern knapp und sachlich darstellt. Dass Meyer dabei zu erkennen gibt, dass er der kommunistischen Sozialismusversion gar nichts abgewinnen kann, dem Sozialismus der früheren Sozialdemokratie skeptisch gegenüber steht und es selbst eher mit einer "Sozialen Demokratie" à la Tony Blair und Gerhard Schröder hält, tut dem Wert seiner Arbeit keinen Abbruch.

Wer heutzutage über Sozialismus oder überhaupt über eine der Großideologien des 19./20. Jahrhunderts schreibt und begründen will, was sich davon in das 21. Jahrhundert hinüberzuretten lohnt, sollte um den eigenen weltanschaulichen Standort gar nicht erst ein Geheimnis machen oder sich gar hinter problematischen Weberschen Floskel einer vermeintlichen "Wertneutralität" zu verschanzen suchen - gar noch mit dem Argument, die eigenen Ansichten seien völlig ideologiefrei. Wie gesagt, der Autor gibt seine weltanschauliche Grundorientierung sogleich zu erkennen, und das manifestiert sich dann auch in seinem abschließenden Kapitel zur "Modernisierung des Sozialismus" im 21. Jahrhundert, wo er Denkrichtungen wie Kommunitarismus, Dritte-Wege-Diskurse und Theorien der Sozialen Demokratie als Fortentwicklung des tradierten Sozialimus vorschlägt.

In den Kapiteln davor ist herausgearbeitet worden, wie sich das sozialistische Denken aus dem sozialen Elend während der Industrialisierung entwickelte und dann mit dem Marxismus eine erste fixierte Fassung erhielt. Mit dem Revisionismus Bernsteins spaltete sich die Sozialdemokratie, und während sich der Sozialismusbegriff in der SPD mehr und mehr verlor, erlebte er in der kommunistischen Weltbewegung eine ganz spezifisch marxistisch-leninistische Ausprägung. Meyer gelingt es, die wesentlichen Charakteristika und theoretischen Zentralformeln dieser verschiedenen Sozialismen recht prägnant zu Papier zu bringen. Das muss lobend hervorgehoben werden: Wer sich an zwei gemütlichen Lektüreabenden mit den grundlegenden Anschauungen und Streitpunkten der sozialistischen Lehre vertraut machen will, findet hier eine kompetente Anleitung, die keineswegs eine Deutungshoheit für die eigenen Ansichten des Autors beansprucht.

Schade ist, dass das Verlagslektorat unglaublich schlampig gearbeitet hat: Eine ganze Passagen kommen gleich doppelt vor und ärgerliche "Tippfehler" wurden bei den Endkorrektur der Satzfahne offenbar übersehen. Dennoch ist das Bändchen als lohnende Lektüre zu empfehlen. Möglicherweise gewinnen grundlegende weltanschauliche Fragen in künftigen Politikdebatten auch wieder mehr Gewicht, nachdem der "Pragmatismus" einer neoliberalen Allparteienkoalition in den Augen vieler Menschen doch ziemlich abgewirtschaftet hat.

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