Archiv

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Kommunale Archive sind Einrichtungen, die als "kollektives Gedächtnis einer Stadt" (Oliver Scheytt) deren Informations- und Kulturgut sammeln, erhalten, aufbewahren und erforschen sollen. Wenn sie ihrer Aufgabe als "institutionalisierter Umschlagplatz historischer Wahrheitsfindung" (Reinhart Kosselleck) umfassend gerecht werden wollen, ist es erforderlich, das Gesamtspektrum aller kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Geschehnisse der Gemeinde zu dokumentieren. Daher sammeln Archive nicht nur städtische Registraturen und Akten, die die Überlieferung aus der Stadtverwaltung repräsentieren, sondern darüber hinaus Dokumente von Parteien, Verbänden, Vereinen und Bürgerinitiativen, sie erwerben private Nachlässe, sichern lokale Zeitungsbestände und archivieren Fotos, Plakate, Bilder, Karten, Flugblätter, Film- und Tondokumente.

In Deutschland gibt es heute über tausend Stadt- und Gemeinde- sowie Kreisarchive. Großstädte beschäftigen teilweise mehrere Dutzend MitarbeiterInnen in ihren Kommunalarchiven, darunter hauptsächlich gelernte Archivare. In Städten unter 200.000 Einwohner nimmt die Zahl ausgebildeter Archivare allerdings ab, so daß hier oft Archivfachstellen der Länder oder benachbarter Großstädte Aushilfe leisten müssen. In Städten unter 50.000 Einwohner überwiegt die neben- und ehrenamtliche Besetzung der Archive.

Aus Rechtsgründen sind die Stadtverwaltungen gezwungen, gewisse Aktenbestände langfristig bis zu 90 Jahren aufzubewahren, auch wenn diese zur ständigen Bearbeitung nicht mehr gebraucht werden. Diese Funktion übernehmen zumeist die Stadtarchive. Archiven kommt auf diese Weise die Aufgabe zu, der Rechtssicherheit zu dienen. So wäre zum Beispiel die mit großer Akribie betriebene Forschung zu Opfern des NS-Regimes und gerade in jüngster Zeit zu ZwangsarbeiterInnen ohne die Kommunalarchive nicht leistbar gewesen. Auch Eigentumsansprüche etwa nach dem Zusammenbruch der DDR konnten oft nur geltend gemacht werden, weil die entsprechenden Besitzurkunden noch in Archiven aufbewahrt und registriert waren.

Weiteren Aufgaben wie denen als Wissensspeicher und "Korrekturinstanz gegen Geschichtsklitterung" (Scheytt) können Archive nur gerecht werden, wenn deren Bestände durch die verantwortungsvolle Arbeit von ArchivarInnen betreut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In früheren Zeiten dienten Archive der Absicherung von Herrschaftsrechten und standen unter strengem Verschluss. Auch Diktaturen lassen sich nicht gern in die Karten gucken und schirmen ihre Archive gegen den öffentlichen Zutritt ab. In der Demokratie soll ein freier Zugang gewährleistet sein, welcher sich natürlich an Prämissen des Datenschutzes zu bemessen hat.

Von einem wirklich freien Zugang kann aber nur die Rede sein, wenn die Archivbestände so gelagert sind, daß auch der interessierte Bürger die gesuchten Materialien und Dokumente einigermaßen problemlos auffinden kann. Das hat zur Voraussetzung, daß geschultes Personal sich darum kümmert. Dies beginnt damit, daß z. B. in den Stadtverwaltungen nicht der einzeln Beamte oder Angestellt die Entscheidung trifft, welche Akten in den Reißwolf wandern, sondern ausgebildete Archivare, denn solche Entscheidungen sind irreversibel.

Gemäß ihrem Ehrenkodex von 1996 haben Archivare die "Integrität von Archivgut zu schützen und zu gewährleisten, dass es ein zuverlässiger Beweis der Vergangenheit bleibt" (§1 der Grundsätze für Archivare, verabschiedet auf der Generalversammlung des Internationalen Archivrates). Unter dem Diktat knapper Kassen werden in jüngster Zeit leider viele Stellen gestrichen, nicht neu oder fachfremd besetzt. Damit einher geht die Gefahr, daß die städtische Gesellschaft an Identität verliert und dem "partiellen Alzheimer" (Scheytt) verfällt. Eine verantwortungsbewußte Kommunalpolitik hätte sich darum zu kümmern, dass die Mittel für die zumeist unter dem Organisationsschema "Kulturdezernat" 41-4 laufenden Archive nicht so stark zusammengekürzt werden, dass diese verkümmern.

Als moderne Dienstleister müssen Archive ihrerseits versuchen, vom Image der verstaubten Papiersammlung wegzukommen, und sich verstärkt in die Bürgergesellschaft hinein öffnen. Im Grundsatz spricht nichts dagegen, Archive teilweise mit Museen undBibliotheken zu verbinden. So hat beispielsweise die Stadt Essen, die derzeit eines der modernsten Stadtarchive mit einer Magazinkapazität von 20 Regalkilometern baut, beschlossen, im Archiv die Zeitungsbestände der Stadtbücherei und deren gesamten stadtgeschichtlichen Bestand aufzunehmen. An Archive wird auch der Wunsch herangetragen, sich an die Öffentlichkeit nicht nur mit streng wissenschaftlichen Erzeugnissen wie Forschungsberichten und Fachperiodika zu wenden, sondern populäres Material für kommunale Jubiläumsveranstaltungen, Stadt- und Stadtteilfest bereitzuhalten, die Kooperation mit den Volkshochschulen zu vertiefen und sich für Schulen und lokale Medien zu öffnen.

Literatur/Fachzeitschriften[Bearbeiten]