Radon
Das chemische Element Radon ist ein Edelgas, das auf der Erde im Gestein und im Erdreich überall in Spuren vorkommt. Alle Isotope[1] des Radons sind radioaktiv. Radon entsteht laufend neu aus Uran und Thorium, die ebenfalls im Erdreich vorkommen und dort langsam radioaktiv zerfallen; daher ist Radon immer vorhanden, obwohl es selbst mit kurzer Halbwertszeit von - je nach Isotop - wenigen Minuten bis Tagen weiter zerfällt.
Gesundheitsgefahren[Bearbeiten]
Vom Radon oder genauer von seinen Zerfallsprodukten geht eine natürliche radioaktive Belastung aus, die höher ist als die durch andere natürliche Quellen. Radon gilt nach dem Rauchen als die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs und ist für 6% aller Lungenkrebs-Todesfälle in Deutschland verantwortlich. Die Belastung ist in schlecht belüfteten Innenräumen besonders hoch. Das gilt vor allem für Kellerräume, die dem Erdreich besonders ausgesetzt sind oder in deren Baumaterialien (z.B. Zuschlagstoffe von Beton) radonhaltige Materialien enthalten sind. Auch weil Radon ein schweres Gas ist, das nach unten sinkt, sind Kellerräume besonders belastet. Daher wird das dauerhafte Bewohnen von Kellerräumen oder der stundenlange Aufenthalt dort nicht oder erst nach entsprechenden Raumluftmessungen empfohlen.
Generell ist die Radonbelastung in den südlichen und östlichen Bundesländern Deutschlands, insbesondere in den Regionen der Mittelgebirge, wo felsiger Untergrund überwiegt, am höchsten; es gibt aber immer wieder Ausnahmen, beispielsweise wenn Baustoffe aus anderen Regionen verbaut wurden. Als am stärksten belastet gelten die Bundesländer Sachsen und Thüringen. Auch jahreszeitliche Unterschiede sind bekannt: Im Winter ist die Belastung höher als im Sommer. Das liegt vor allem daran, dass im Winter weniger gelüftet wird und die Menschen sich mehr in Innenräumen aufhalten; auch die aufsteigende Heitzungsluft sorgt für mehr "Nachschub" von Luft aus den Kellerräumen in höher gelegene Gebäudeteile.[2]
Rechtliche Lage in Deutschland[3][Bearbeiten]
Am 31. Dezember 2018 traten das Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) und die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) mit Regelungen auch zum Schutz vor Radon in Kraft. Sie bestimmen einen Referenzwert für die über das Jahr gemittelte Radon-222-Aktivitätskonzentration in der Luft c(Rn-222) in Aufenthaltsräumen und an Arbeitsplätzen je von 300 Bq/m³[4]. Das Gesetz definiert ihn als Wert, „der als Maßstab für die Prüfung der Angemessenheit von Maßnahmen dient. Ein Referenzwert ist kein Grenzwert“[5]. Demgegenüber hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Hinblick auf Lungenkrebsrisiken einen Referenzwert von 100 Becquerel pro m³ Raumluft als maximal akzeptable Konzentration festgelegt.
Radonvorsorgegebiete[Bearbeiten]
Die in den Bundesländern zuständigen Strahlenschutzbehörden hatten bis zum 31. Dezember 2020 Gebiete festzulegen, für die erwartet wird, dass die über das Jahr gemittelte Radon-222-Aktivitätskonzentration in der Luft in einer beträchtlichen Zahl von Gebäuden mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen den Referenzwert von 300 Bq/m³ überschreitet ("Radonvorsorgebiete"). Dort sind Verantwortliche für Arbeitsplätze in Keller- oder Erdgeschossräumen zu Messungen und bei Überschreitung des Referenzwertes zu Maßnahmen verpflichtet.
Interaktive Karte des BfS[Bearbeiten]
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) stellt eine interaktive Karte[6] bereit, die für die meisten Regionen Deutschlands die geschätzte Strahlenbelastug durch Radon in Wohnräumen zeigt. Es handelt sich um regional gemittelte Werte, die tatsächliche Belastung einzelner Gebäude kann sich erheblich unterscheiden.
Messungen empfohlen[Bearbeiten]
Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt, die Radonbelastung in Wohnräumen zu messen. Passive Detektoren können per Post bestellt werden; sie benötigen keine Energie, werden lediglich für eine bestimmte Zeit (z.B. ein Jahr) in den entsprechenden Räumen aufgestellt und anschließend an ein Labor zur Auswertung geschickt. Die Kosten pro Detektor mit Auswertung liegen laut BfS zwischen 30 und 50 Euro.[7]
Schleswig-Holstein stellt Messgeräte zur Verfügung[Bearbeiten]
Die schwarz-grüne Landesregierung in Schleswig-Holstein ermöglicht 1.000 Haushalten im nördlichsten Bundesland die kostenlose Messung der Radonbelastung ihrer Wohnung. Dazu erhalten sie zwei passive Detektoren, die ein Jahr lang in möglicherweise belastenen bzw. viel genutzten Räumen aufgestellt werden. Neben der Information für die Betroffenen erhofft sich die Landesregierung dadurch auch differenzierte Daten über die Radonbelastung in verschiedenen Regionen und Gebäudetypen im Land.[8]
Fußnoten[Bearbeiten]
- ↑ Ein chemisches Element ist definiert durch die Zahl der Protonen im Atomkern; diese sind elektrisch geladen und bestimmen damit die Ladung des Kerns. Die ebenfalls im Atomkern enthaltenen elektrisch neutralen Neutronen können in unterschiedlicher Zahl vorhanden sein, damit können Kerne desselben Elements ein unterschiedliches Gewicht haben. Die unterschiedlichen Kerne eines Elements mit gleicher Ladung, aber unterschiedlichem Atomgewicht werden Isotope genannt. Die meisten Elemente haben stabile und nicht stabile - radioaktive - Isotope.
- ↑ Kölner Stadt-Anzeiger: Lungenkrebs durch Radon – Belastung derzeit besonders hoch, 09.02.2026
- ↑ Dieser Abschnitt wurde aus dem wikipedia-Artikel Radonbelastung entnommen und angepasst.
- ↑ § 124 für Aufenthaltsräume, § 126 für Arbeitsplätze
- ↑ § 5 Abs. 29 StrlSchG
- ↑ Bundesamt für Strahlenschutz: Radon in Wohnungen in Deutschland
- ↑ BfS: Wie kann ich Radon messen (lassen)?
- ↑ NDR: Radon-Belastung: 1.000 Haushalte in SH bekommen ein Messgerät, 19.01.2026 (Video, 1 min.)
Siehe auch[Bearbeiten]
- Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Radon - ein kaum wahrgenommenes Risiko, Broschüre, Juni 2024 (Download im pdf-Format, 8 Seiten, 3 MB)
- Bundesamt für Strahlenschutz: Radon
- Umweltbundesamt: Radon – ein unterschätztes Risiko? Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung, Studie, 2023 (Download im pdf-Format, 10 Seiten, 1 MB)
- wikipedia: Radon und Radonbelastung
- Erklärvideo auf Wikimedia Commons: Woher kommt Radon und wie wirkt es in unserem Körper?, RSI/Il giardino di Albert/Davide Conconi, CC-BY-SA