Nachhaltigkeit

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Der Begriff[Bearbeiten]

Unter Nachhaltigkeit wird ganz allgemein Dauerhaftigkeit, langfristige Stabilität verstanden. In der Politik wird dieser Begriff meist im Sinn von "nachhaltiger Entwicklung" verwendet. Da er durch inflationäre Verwendung an Aussagekraft zu verlieren droht, wird in jüngerer Zeit häufig auch von "Zukunftsfähigkeit" gesprochen. Das Konzept der Nachhaltigkeit beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren Systems in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise regeneriert werden kann.[1]

Das deutsche Wort "Nachhaltigkeit" wird in dieser Bedeutung auf eine Publikation des Oberberghauptmanns Hans Carl von Carlowitz aus dem Jahr 1713 [2] zurückgeführt, in der er von der „nachhaltenden Nutzung“ der Wälder schrieb. Diese forstwirtschaftliche Zielsetzung wurde jedoch erst im 20. Jahrhundert auf andere Politikfelder übertragen, wobei das Wort "Nachhaltigkeit" sich als Übersetzung für das englische "Sustainability" anbot.

Die 1983 von den Vereinten Nationen eingesetzte Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission) führte den Begriff in seiner englischen Form als „Sustainable Development" in die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik ein.[3] In ihrem auch als "Brundtland-Bericht" bekannt gewordenen Abschlussdokument „Unsere gemeinsame Zukunft“ aus dem Jahr 1987 ist das Konzept der nachhaltigen Entwicklung folgendermaßen definiert:

„Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können."[4]

Der Rat der Europäischen Union definiert "nachhaltige Entwicklung wie folgt:

"Nachhaltige Entwicklung bedeutet, dass den Bedürfnissen der heutigen Generation dergestalt Rechnung getragen werden sollte, dass die Fähigkeit künftiger Generationen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, nicht gefährdet wird. Nachhaltige Entwicklung ist ein im Vertrag festgelegtes übergeordnetes Ziel der Europäischen Union, das für alle Politikbereiche und Maßnahmen der Union maßgebend ist. Ihr Ziel ist die Bewahrung der Fähigkeit der Erde, das Leben in all seiner Vielfalt zu beherbergen, und sie baut auf den Grundsätzen der Demokratie, der Gleichstellung der Geschlechter, der Solidarität, der Rechtsstaatlichkeit und der Achtung der Grundrechte, wozu Freiheit und Chancengleichheit gehören, auf. Sie strebt eine kontinuierliche Verbesserung der Lebensqualität und des Wohlergehens auf unserem Planeten für die heute lebenden und für die künftigen Generationen an. Zu diesem Zweck fördert sie eine dynamische Wirtschaft und Vollbeschäftigung sowie ein hohes Maß an Bildung, Schutz der Gesundheit, sozialem und territorialem Zusammenhalt und Umweltschutz in einer friedlichen und sicheren Welt, in der die kulturelle Vielfalt geachtet wird."[5]

Im Fortschrittsbericht 2008 der Bundesregierung liest sich dies so:

"Nachhaltigkeit zielt auf die Erreichung von Generationengerechtigkeit, sozialem Zusammenhalt, Lebensqualität und Wahrnehmung internationaler Verantwortung. In diesem Sinne sind wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und soziale Verantwortung so zusammenzuführen, dass Entwicklungen dauerhaft tragfähig sind."

Weblinks zur Definition[Bearbeiten]

Drei-Säulen-Modell[Bearbeiten]

Im allgemeinen Verständnis setzt sich der Begriff der Nachhaltigkeit aus drei Komponenten zusammen, die auch als "Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit" oder als "Nachhaltigkeitsdreieck" bezeichnet werden.

  • Die ökologische Nachhaltigkeit umschreibt das Ziel, Natur und Umwelt für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Dies umfasst den Erhalt der Artenvielfalt, den Klimaschutz, die Pflege von Kultur- und Landschaftsräumen in ihrer ursprünglichen Gestalt sowie generell einen schonenden Umgang mit der natürlichen Umgebung.
  • Die ökonomische Nachhaltigkeit stellt das Postulat auf, dass die Wirtschaftsweise so angelegt ist, dass sie dauerhaft eine tragfähige Grundlage für Erwerb und Wohlstand bietet. Von besonderer Bedeutung ist hier der Schutz wirtschaftlicher Ressourcen vor Ausbeutung.
  • Die soziale Nachhaltigkeit versteht die Entwicklung der Gesellschaft als einen Weg, der Partizipation für alle Mitglieder einer Gemeinschaft ermöglicht.[6] Dies umfasst einen Ausgleich sozialer Kräfte mit dem Ziel, eine auf Dauer zukunftsfähige, lebenswerte Gesellschaft zu erreichen.

Nachhaltigkeit betrifft alle Betrachtungsebenen, kann also lokal, regional, national oder global verwirklicht werden. Während aus ökologischer Perspektive zunehmend ein globaler Ansatz verfolgt wird, steht hinsichtlich der wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit oft der nationale Blickwinkel im Vordergrund. Desgleichen wird für immer mehr Bereiche eine nachhaltige Entwicklung postuliert, sei es für den individuellen Lebensstil oder für ganze Sektoren wie Mobilität oder Energieversorgung.

Kritik[Bearbeiten]

Das IFEU-Institut kommt aber zu dem Schluss, diese "drei Säulen" hätten sich als Sackgasse erwiesen: "Sie mögen als Ordnungsprinzip zwar hilfreich sein, doch eine Abwägung zwischen den Säulen wirft Bewertungsprobleme auf, die an dem eigentlichen Ursprung des Begriffes vorbeigehen. So ist eine Verknüpfung eines Wirtschaftswachstums von x % mit einer Emission von y t Kohlendioxid nur schwer möglich. Oder es ist müßig zu entscheiden, ob die Arbeitslosenrate zur ökonomischen oder sozialen Säule gehört."[7]

Weblinks zum Drei-Säulen-Modell[Bearbeiten]

Anwendung auf Politikfelder[Bearbeiten]

Mobilität[Bearbeiten]

Ein systematischer Versuch, das Konzept "Nachhaltigkeit" auf das Thema "Mobilität/Verkehr" anzuwenden, findet sich in der Studie "Umweltverträglicher Verkehr 2050", S. 31-52

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Deutscher Bundestag, 14. Wahlperiode: Schlussbericht der Enquete-Kommission Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten, Drucksache 14/9200, 12. Juni 2002.
  2. http://umwelt.hs-pforzheim.de/sonstiges/historisches/carlowitz-titel-inhalt/
  3. Brundtland-Report: Unsere gemeinsame Zukunft, 1987 im Lexikon der Nachhaltigkeit
  4. "Brundlandt-Bericht", Teil I „The Global Challenge", Kapitel 3 „Sustainable Development", Artikel 27.
  5. Rat der Europäischen Union, Die erneuerte EU-Strategie für nachhaltige Entwicklung, Dokument 10917/06 vom 26. Juni 2006
  6. http://www.agenda21-treffpunkt.de/archiv/ag21dok/kap23.htm
  7. IFEU-Institut: Nachhaltigkeit

Siehe auch[Bearbeiten]