Logistikimmobilien aus kommunaler Sicht

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Geplante Logistik-Ansiedlungen lösen oft Kontroversen aus, da sie zusätzlichen Verkehr erwarten lassen. Für Kommunen wie Anwohner*innen stellt sich dabei die Frage, ob die erwarteten wirtschaftlichen Effekte die möglichen Verluste an Umwelt- und Wohnqualität aufwiegen.

Cover der Publikation

logix-Studie 2020[Bearbeiten]

Die logix-Initiative Logistikimmobilien, eine Gründung von Unternehmen der Logistikbranche, hat in Kooperation mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund eine Umfrage unter Kommunen durchgeführt, um Fallbeispiele zusammenzutragen und Erfolgsfaktoren für eine Ansiedlung zu identifizieren.[1] Die Studie untersucht folgende Beispiele:

In ihrem knappen Fazit schätzen die Autoren, dass in den vergangenen 20 Jahren mehr als 10.000 Logistikimmobilien errichtet wurden, wobei die Zahl von nicht realisierten Projekten nicht erfassbar ist. Auch wenn Kommunen sich Gewerbe und Arbeitsplätze wünschen, stoße die Logistikwirtschaft oft nicht auf breite Akzeptanz.[2] Sie fordern einen "konstruktiven und kontinuierlichen Dialog". Die Benennung weiterer Erfolgsfaktoren bleiben sie weitgehend schuldig.

YouGov-Umfrage 2022[Bearbeiten]

In einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Logistikimmobilienberaters Logivest vom Oktober 2022 wurden über 2.100 Bürger*innen zu ihrer Haltung zu Logistikzentren in ihrer Umgebung befragt.[3] Zur Überraschung des Auftraggebers zeigten sich fast zwei Drittel der Befragten hierzu neutral. Große Logistikansiedlungen wurden von 18% der Befragten eher positiv, von 15% eher negativ gesehen. Danach gefragt, was ihre Haltung zum Positiven verändern würde, nannten 42% der Befragten ein geeignetes Verkehrskonzept. Je 35% wünschten sich ein nachhaltiges Konzept sowie wirtschaftliche Vorteile für ihre Gemeinde; 12% forderten eine andere Bauweise. Wenig überraschend war, dass 74% der Versorgungssicherheit insbesondere mit Lebensmitteln eine hohe Bedeutung zumessen. Dass diese nur über zusätzliche Logistikzentren, d.h. auch über mehr LKW-Verkehr erreichbar ist, folgt daraus logisch natürlich nicht.

Initiative "Power of Logistics"[Bearbeiten]

Für mehr Nachhaltigkeit - und damit zugleich für mehr Akzeptanz - will die Initiative "Power of Logistics" sorgen. Sie hat ermittelt, dass rund 60% der 50 Mio. m² Dachfläche von Logistikzentren in Deutschland, also ca. 30 Mio. m², für Solarenergie geeignet sind - seit einigen Jahren, so die Initiative, ist es Standard, beim Bau von Logistikzentren die Statik entsprechend auszulegen. Mit der so gewonnenen Solarenergie könnten bis zu 800.000 Haushalte mit Solarstrom versorgt und fast 1 Mio. t CO2 jährlich eingespart werden.[4]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Dr. Alexander Nehm, Prof. Dr. Christian Kille (Hrsg.logix-Initiative): Logistikimmobilien aus kommunaler Sicht – Fallbeispiele und Erfolgsfaktoren (Mai 2019, Download im pdf-Format, 23 Seiten)
  2. Häufig wird bezweifelt, ob der Nutzen für eine Kommunen in einem annehmbaren Verhältnis zur erwarteten Zunahme des Verkehrs steht. Siehe als Beispiel: Pfaffenhofener Kurier, Schlechte Karten für Logistiker, 24.01.2019
  3. Loginvest: Wächst die Toleranz für Logistik? Umfrage zeigt Bedeutung von Versorgungssicherheit, 04.12.2022; siehe auch Bayerische Staatszeitung: Kommunen müssen nicht mit Ablehnung der Leute rechnen, 27.12.2022
  4. Solarserver: Neue Initiative Power of Logistics: Logistikimmobilien für Photovoltaik nutzen, 04.10.2022

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Die folgenden Materialien geben vorrangig die Sicht der Logistikbranche wider:

  • Kompetenznetzwerk Logistik.NRW: Ansiedlungshandbuch Logistik.NRW. Leitfaden für Regionen und Kommunen, Fassung 2021 (mit Link zum Download im pdf-Format, 76 Seiten)
  • Eine Studie der Investmentgesellschaft Garbe Industrial Real Estate und des Beratungsunternehmens Jones Lang LaSalle (JLL) gibt an, dass in NRW nur ca. 34% des Bedarfs an Flächen für Logistikansiedlungen zur Verfügung stehen, und schlägt vor, vermehrt "Brownfields" (Altlasten- und Altlastenverdachtsflächen) in Anspruch zu nehmen; Garbe Industrial und Jones Lang LaSalle: NRW-Report, 2022 (mit Link zum Download im pdf-Format, 58 Seiten)