Treibhausgasminderungsquote
Die Treibhausgasminderungsquote, kurz THG-Quote, ist ein deutsches Klimaschutzinstrument im Verkehrssektor. Sie verpflichtet Unternehmen, die Otto- oder Dieselkraftstoffe in Verkehr bringen, die Treibhausgasemissionen ihrer Kraftstoffe gegenüber einem gesetzlichen Referenzwert zu senken[1]. Anders als eine reine Mengenquote für erneuerbare Energien bewertet sie die Klimawirkung der eingesetzten Energieträger. Anrechenbar sind unter anderem nachhaltige Biokraftstoffe, strombasierte Kraftstoffe, grüner Wasserstoff und elektrischer Strom, der in Straßenfahrzeugen genutzt wird[2]. Ziel ist es, fossile Kraftstoffe schrittweise durch emissionsärmere Alternativen zu ersetzen und Investitionen in klimafreundliche Mobilität wirtschaftlich attraktiver zu machen.
Geschichte und rechtlicher Rahmen[Bearbeiten]
Die THG-Quote entwickelte sich aus der früheren Biokraftstoffquote und aus europäischen Vorgaben zur Förderung erneuerbarer Energien im Verkehr. In Deutschland ist sie vor allem im Bundes-Immissionsschutzgesetz und in ergänzenden Verordnungen geregelt. Seit 2022 ist sie auch außerhalb der Mineralöl- und Kraftstoffbranche stärker bekannt, weil Halter reiner Batterieelektrofahrzeuge ihre pauschal angerechneten Strommengen über Dienstleister vermarkten können[3]. Der gesetzliche Quotenpfad steigt schrittweise an. Die Zollverwaltung nennt für 2025 eine Quote von 10,6 Prozent, für 2026 12,1 Prozent und für 2030 25,1 Prozent. 2026 wurde zudem eine Fortschreibung der nationalen THG-Minderungsquote bis 2040 beschlossen; sie soll schrittweise bis auf 65 Prozent steigen.
Funktionsweise und Nachweis[Bearbeiten]
Quotenverpflichtete Unternehmen müssen jährlich nachweisen, dass sie die vorgeschriebene Minderung erreichen. Gelingt dies nicht allein durch eigene Maßnahmen, können sie anrechenbare Minderungen anderer Marktteilnehmer erwerben. Bei elektrischem Strom prüft das Umweltbundesamt die Voraussetzungen, bescheinigt gemeldete Strommengen und stellt die Berechnungsgrundlagen für die Anrechnung bereit. Dadurch entsteht ein Markt für anrechenbare Minderungen. Der Wert dieser Minderungen schwankt je nach Nachfrage, Regulierung, Kraftstoffmarkt und verfügbaren Erfüllungsoptionen. Die THG-Quote ist damit ein verbindliches Instrument mit marktwirtschaftlichen Elementen.
THG-Prämie[Bearbeiten]
Als THG-Prämie wird die Auszahlung bezeichnet, die Halter reiner Batterieelektrofahrzeuge erhalten, wenn sie ihre anrechenbare Quote an einen Dienstleister übertragen. Für Privatpersonen genügt in der Regel die Zulassungsbescheinigung Teil I; tatsächliche Kilometerleistungen oder heimische Strommengen müssen nicht nachgewiesen werden. Die Höhe der Prämie ist nicht staatlich festgelegt, sondern hängt vom Marktpreis, vom Anbieter und vom gewählten Auszahlungsmodell ab. Üblich sind feste Auszahlungen, variable Modelle oder ökologische Spendenoptionen. Verbraucher sollten daher Vertragslaufzeit, Provisionen, Auszahlungszeitpunkt, Mindestbetrag und steuerliche Hinweise prüfen. Bei kommunalen Fahrzeugen ist zusätzlich zu klären, wie die Einnahmen haushalts- und steuerrechtlich zu behandeln sind. Weitere Informationen bietet ein Spezialist für THG-Prämie[4].
Rolle für Kommunen[Bearbeiten]
Für Kommunen ist die THG-Quote besonders bedeutsam, weil sie Klimaschutz, Energiepolitik, Mobilitätsplanung und Haushaltsfragen miteinander verbindet. Städte, Gemeinden, Landkreise und kommunale Unternehmen betreiben zunehmend elektrische Dienstwagen, E-Busse, Bauhoffahrzeuge, Abfallsammelfahrzeuge oder kommunale Carsharing-Flotten. Für diese Fahrzeuge kann der genutzte oder pauschal geschätzte Fahrstrom quotenfähig sein. Die daraus entstehenden Erlöse ersetzen keine Investitionsförderung, können aber Betriebskosten senken, Ladeinfrastruktur mitfinanzieren oder weitere Beschaffungen erleichtern. In Wirtschaftlichkeitsberechnungen kann die Quote deshalb als zusätzlicher Einnahmefaktor berücksichtigt werden.
Eine besondere Rolle spielt die THG-Quote beim Aufbau öffentlicher Ladeinfrastruktur. Kommunen entscheiden über Standorte, Sondernutzungserlaubnisse, Beschilderung, Netzanschlüsse, Parkraumbewirtschaftung und Konzessionsmodelle. Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur bezeichnet Kommunen als Schlüsselakteure, weil ihre Planungs- und Genehmigungsprozesse den Ausbau öffentlich zugänglicher Ladepunkte wesentlich beeinflussen[5]. Betreibt eine Kommune oder ein Stadtwerk Ladepunkte selbst, können gemessene Strommengen in das Quotensystem eingebracht werden. Wird ein privater Betreiber beauftragt, sollte vertraglich geregelt werden, wem die THG-Erlöse zustehen und ob sie beispielsweise für niedrigere Ladepreise, den Ausbau in Ortsteilen oder die Refinanzierung kommunaler Flächen verwendet werden.
Auch organisatorisch ist die Quote für Kommunen anspruchsvoll. Fuhrparkmanagement, Klimaschutzstelle, Tiefbauamt, Kämmerei und Stadtwerke müssen Daten zu Fahrzeugen, Ladepunkten, Strommengen, Verträgen und Fristen sauber erfassen. Bei größeren Flotten lohnt sich ein zentrales Quotenmanagement, um Doppelmeldungen und Fristversäumnisse zu vermeiden. Strategisch kann die THG-Quote helfen, auch weniger rentable Standorte wie Schulen, Sportanlagen, Verwaltungsgebäude, P+R-Anlagen oder ländliche Ortsteile zu erschließen. Damit wird sie nicht nur zu einem Einnahmeinstrument, sondern auch zu einem Baustein kommunaler Mobilitäts- und Klimaschutzplanung.
Abgrenzung zu CO₂-Bilanzierung und Emissionshandel[Bearbeiten]
Die THG-Quote ist von anderen Klimaschutzinstrumenten zu unterscheiden. Kommunale CO₂-Bilanzen erfassen Emissionen eines Stadt- oder Gemeindegebiets und dienen vor allem der Planung, Steuerung und Erfolgskontrolle lokaler Klimaschutzmaßnahmen. Die THG-Quote dagegen ist ein bundesrechtliches Erfüllungssystem für Kraftstoffanbieter. Auch vom europäischen Emissionshandel unterscheidet sie sich, da sie nicht den Ausstoß von Industrieanlagen oder Kraftwerken bepreist, sondern die Klimawirkung von Kraftstoffen im Verkehr adressiert. Die Anrechnung von Strom auf die THG-Quote bedeutet daher nicht automatisch, dass eine Kommune ihre eigene Treibhausgasbilanz um denselben Betrag mindern darf. Für Verwaltungen ist diese Abgrenzung wichtig, damit Einnahmen aus der Quote korrekt genutzt und Klimaschutzwirkungen transparent dargestellt werden.
Fußnoten[Bearbeiten]
- ↑ Zoll: Treibhausgasquote – Quotenhöhe und Referenzwert, 04.06.2024
- ↑ Umweltbundesamt: Vollzug 38. BImSchV – Anrechnung von Strom für Elektrofahrzeuge, 05.01.2026
- ↑ Verbraucherzentrale:THG-Quote: So können Sie mit einem reinen E-Auto Geld verdienen, 04.03.2026
- ↑ wirkaufendeinethg.de: Spezialist für THG-Prämie, 08.05.2026
- ↑ Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur: Ladeinfrastruktur in der Kommune aufbauen, Juli 2024, 08.05.2026