Kommunalwahlen in Hessen 2021

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Bei den Kommunalwahlen am 14.03.2021 in Hessen konnten die Grünen erhebliche Stimmengewinne einfahren; in den Gemeinden erreichten sie über 19% der Stimmen, in den Kreisen knapp 18% und besetzen jetzt rund 1.800 kommunale Mandate. Damit lagen sie um gut 70% über ihren Ergebnissen von 2016 und auch höher als bei der Wahl 2011, die aufgrund des Atomunfalls von Fukushima ungewöhnlich hohe grüne Wahlergebnisse gebracht hatte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in einigen Orten grüne Bündnislisten antraten, die von der amtlichen Statistik nicht zu den grünen Stimmergebnissen gezählt werden.

Weitere Trends[Bearbeiten]

Die anderen großen Parteien verloren: Die CDU geringfügig - sie bleibt landesweit stärkste Kraft -, die SPD deutlich. Auch die AfD musste Federn lassen und blieb mit 7,4% in den Kreisen wieder einstellig. Die Linke erreichte mit landesweit 4% keine große Bedeutung.

Auf der Gemeindeebene sieht es etwas anders aus; hier spielen in Hessen häufig lokale Wählergruppen eine Rolle, die insbesondere in der Mitte des Landes oft stärkste Kraft wurden. Im Norden dominiert - trotz abnehmender Ergebnisse - in vielen Gemeinden weiterhin die SPD, weiter südlich neben Wählergruppen die CDU.

Die Wahlbeteiligung lag mit 50,1% in den Kreisen und 52,2% in den Gemeinden etwas über dem Wert von 2016 (48%).

Vorläufiges Ergebnis der Gemeindewahlen[Bearbeiten]

Für die Wahlen zu den Gemeinderäten (einschließlich der Stadtverordnetenversammlungen der kreisfreien Städte) lautet das vorläufige Ergebnis:[1]

Partei Ergebnis 2021 Ergebnis 2016 Veränderung
CDU 26,1 29,7 -3,8
SPD 22,9 30,1 -7,2
Grüne 19,1  9,7 +9,4
AfD  3,0  2,6 +0,4
FDP  6,8  5,9 +0,9
Linke  4,0  1,8 +2,2
Wählergruppen 14,2 19,0 -2,2
Sonstige  4,0  1,1 +2,9
Wahlbeteiligung 50,1 48,1 +2,0

Die Grünen konnten ihre Ergebnisse von 2016 fast verdoppeln und sind damit die eindeutigen Gewinner der Kommunalwahl. Sie haben jetzt in den Gemeinderäten und den Stadtverordnetenversammlungen nach dem Stand vom 23.03. (wenige Gemeinden fehlen noch in der Auszählung) 1.243 Sitze, somit 550 mehr als 2016 (693 Sitze).

Die Ergebnisse der Grünen werden in dieser Statistik etwas zu niedrig ausgewiesen, da in einigen Gemeinden Bündnislisten unter Beteiligung der Grünen antraten, diese werden den "Wählergruppen" zugerechnet. Einige Beispiele: ALMA/Die Grünen Münster (4 Sitze); ALW-GRÜNE Weitersheim (7 Sitze); Grün-Alternative Liste Bischofsheim (6 Sitze); Grüne Liste Trebur (5 Sitze); Klimaliste Königstein (1 Sitz); Klimaliste Oberursel (1 Sitz); GAL Staufenberg (5 Sitze); BI/Grüne Liste Vöhl (4 Sitze). Auch haben nicht in allen Gemeinden Grüne kandidiert. Ähnliches (Bündniskandidaturen und nicht flächendeckendes Antreten) gilt für die Linke.

Lokale Wählergruppen spielen weiterhin eine große Rolle in Hessen und stellen in nicht wenigen Gemeinden die stärkste Fraktion im Rat. Die Verschiebung zwischen "Wählergruppen" und "Sonstigen" erklärt sich teilweise daraus, dass die "Freien Wähler" 2016 überwiegend als lokale Wählergruppen antraten und dort gezählt wurden, während sie jetzt als landesweite Partei kandidierten und daher unter den "Sonstigen" zu finden sind.

Das niedrige Ergebnis der AfD ist vor allem daraus zu erklären, dass sie in der Mehrzahl der Gemeinden nicht kandidiert hat.

Unter den "Sonstigen" ist vor allem die neu gegründete gesamteuropäische Partei Volt zu erwähnen, die nur in fünf Städten (darunter vier Großstädten) antrat und landesweit 1,5% und 15 Sitze errang. Bezogen auf diese Städte, darunter Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden, erreichten sie 4,8% der Stimmen. Volt versteht sich insbesondere als Gegenbewegung gegen Nationalismus und Populismus und dürfte in vielen Positionen den Grünen nahestehen.

61,7% der Wahlzettel wurden in den Gemeinden per Briefwahl bzw. Wahlschein abgegeben; immerhin 3,2% der Wahlzettel waren ungültig.

Wahlergebnisse der Landkreise[Bearbeiten]

Die Wahl zu den Landkreisen (ohne kreisfreie Städte) ging nach dem vorläufigen Ergebnis folgendermaßen aus:

Partei Ergebnis 2021 Ergebnis 2016 Veränderung
CDU 30,4 30,3 -0,7
SPD 25,0 29,5 -4,5
Grüne 17,9  9,9 +8,0
AfD  7,4 12,3 -4,9
FDP  6,5  6,1 +0,4
Linke  3,0  2,8 +0,2
Wählergruppen  5,5  7,4 -1,9
Sonstige  5,1  1,7 +3,4
Wahlbeteiligung 52,2 50,1 +2,1

Die Grünen konnten in den Kreistagen insgesamt 250 Mandate erreichen gegenüber 148 vor fünf Jahren. Ihre Kreisergebnisse liegen zwischen 23% (Hochtaunuskreis) und 9,2%, in keinem Kreistag haben sie weniger als 6 Sitze. In drei Landkreisen kandidierte neben den Grünen noch eine "Klimaliste", zusammen erhielten sie 5 Mandate.

Zum Ergebnis der Linken können drei Bündnis- bzw. Offene Listen hinzugerechnet werden, die zusammen 0,6% und 11 Sitze eroberten.

Wie bei den Gemeinden wurden die Freien Wähler diesmal als Partei geführt und sind mit 3,7% am Ergebnis für "Sonstige" beteiligt; 2016 wurden ihre 6,0% noch zu den "Wählergruppen" gezählt.

An den Kreistagswahlen nahmen 62,6% der Abstimmenden per Briefwahl teil; der Anteil der ungültigen Stimmen betrug 4,0%.

Besondere grüne Erfolge[Bearbeiten]

In 16 Gemeinden wurden die GRÜNEN stärkste Kraft, darunter in den drei Großstädten Kassel, Frankfurt und Darmstadt. Alfabetisch geordnet sind dies:

  • Cölbe 30,8%
  • Darmstadt 28,4%
  • Egelsbach 35,5%
  • Frankfurt (Main) 25,6%
  • Friedrichsdorf 32,1%
  • Gießen 29,7%
  • Kassel 28,2%
  • Langen 27,7%
  • Marburg 27,5%
  • Mörfelden-Walldorf 31,7%
  • Mühltal 24,8%
  • Oberursel 26,5%
  • Bad Schwalbach 28,9%
  • Seeheim-Jugenheim 36,2%
  • Sinn 33,4%
  • Weimar (Lahn) 24,9%

 
In Frankfurt ist durch die Wahl die Möglichkeit eines links-grünen Bündnisses ohne CDU und FDP entstanden. In Darmstadt sind die Grünen bereits zum dritten Mal stärkste Kraft und stellen bereits seit 2011 mit Jochen Partsch den Oberbürgermeister.

Zeitgleich standen auch einige (Ober)Bürgermeister*innen und Landrät*innen zur Wahl.[2] In Friedrichsdorf ging der grüne Kandidat Lars Keitel mit einem Vorsprung von 31,9% in die Stichwahl gegen Katja Gehrmann (CDU, 29,1%) Er gewann die Stichwahl am 28.03. mit 52,7%.[3] Auch in Marburg erreichte die grüne Kandidatin Nadine Bernshausen mit 26,0% die Stichwahl und trat gegen Thomas Spies von der SPD an. Dieser gewann die Stichwahl äußerst knapp mit 50,2%.[4] Auch andere grüne Kandidat*innen erzielten respektable Ergebnisse, beispielsweise René Bacher in Dietzenbach (28,9%) oder Christof Fink in Oberursel (19,8%).

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Stand 23.03.2021; wenige kleinere Gemeinden fehlen noch in der Auswertung. Das zuvor hier veröffentlichte Trendergebnis setzte sich aus Kreisen und kreisfreien Städten zusammen und berücksichtigte und die Wahlzettel, auf denen eine gesamte Liste pauschal angekreuzt war, es weicht daher von den hier dargestellten Ergebnissen für Gemeinden (einschl. kreisfreien) und Kreisen ab.
  2. Laut der "Zeit" handelte es sich um fünf Oberbürgermeister*innen und "knapp 30" Bürgermeister*innen; Zeit, Oberbürgermeister-Wahlen in fünf Städten, 14.03.2021
  3. Frankfurter Neue Presse, Keitel (Grüne) macht das Rennen, 28.03.2021
  4. Zeit, Marburger OB Thomas Spies setzt sich in Stichwahl durch, 28.03.2021

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]