Wahlen in Berlin 2026
Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen in Berlin am 20.09.2026 wurde die Linke mit fast 26% erstmals in einem Bundesland stärkste Kraft. Auch die AfD gewann hinzu, kam aber mit etwas über 16% nicht an ihre Ergebnissen in anderen östlichen Bundesländern heran. Am stärksten verlor die CDU, die knapp 19% erreichte, aber auch Grüne (gut 14%) und SPD (gut 12%) mussten Verluste hinnehmen. Das BSW blieb unter 5% und zog nicht ins Abgeordnetenhaus ein, die FDP, die schon vor drei Jahren das Landesparlament verlassen musste, verlor zusätzlich. Unter den "Sonstigen", zu denen in Zukunft wohl auch die FDP gezählt werden muss, schnitten die Europapartei Volt und die Tierschutzpartei mit je 2,1% am stärksten ab. Die Wahlbeteiligung lag mit 74,2% deutlich über der der Wiederholungswahl von 2023, aber leicht unter der von 2021.
Wahl zum Abgeordnetenhaus[Bearbeiten]
Das Abgeordnetenhaus von Berlin stellt zugleich das Landes- wie auch das Kommunalparlament dar. Zwar werden oft die Bezirke als die kommunale Ebene Berlins bezeichnet, doch nehmen sie nur einen Teil der kommunalen Aufgaben wahr und verfügen insbesondere über keine kommunale Autonomie, d.h. die übergeordnete Ebene kann Kompetenzen wie auch einzelne Angelegenheiten jederzeit an sich ziehen.
Die vorangegangene Wahl von 2021 musste wegen erheblicher Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe im Jahr 2023 wiederholt werden, wobei die CDU wesentlich erfolgreicher abschnitt als zwei Jahre zuvor und seither den Regierenden Bürgermeister in einer schwarz-roten Koalition stellte.
Die Wahlergebnisse zum Abgeordnetenhaus sehen folgendermaßen aus:
| Partei | Ergebnis 2026 | Ergebnis 2023 | Differenz |
|---|---|---|---|
| Linke | 25,7 | 12,2 | +13,5 |
| CDU | 18,8 | 28,2 | - 9,4 |
| AfD | 16,3 | 9,1 | +5,2 |
| Grüne | 14,3 | 18,4 | - 4,1 |
| SPD | 12,1 | 18,4 | - 6,3 |
| FDP | 2,5 | 4,6 | - 2,1 |
| BSW | 4,7 | -- | + 4,7 |
| Sonstige | 5,7 | 9,0 | - 3,3 |
| Wahlbeteiligung | 74,2 | 62,9 | +11,3 |
Eine Grafik des rbb zeigt, wie sich die Wähler:innenschaft der Parteien zusammensetzt:[1]
- Linke, Grüne und SPD werden häufiger von Frauen als von Männern gewählt, umgekehrt ist es bei AfD, CDU und FDP.
- Bei jungen Wähler:innen dominiert die Linke mit 43% (16-24 Jahre) bzw. 49% (25-34 Jahre) deutlich. Die AfD hat ihre stärksten Ergebnisse bei Menschen zwischen 45 und 69 Jahren, also in der zweiten Hälfte ihrer Arbeitsbiografie; die Grünen liegen bei etwas Jüngeren, zwischen 45 und 59 Jahren, über ihrem Gesamtergebnis. CDU und SPD dagegen werden am stärksten von Menschen ab 60 und besonders häufig (33% bzw. 21%) von Menschen ab 70 Jahren gewählt.
- Menschen mit hoher Bildung wählen überdurchschnittlich oft Linke und Grüne, bei einfacher Bildung entscheiden sie sich eher für AfD, CDU oder SPD.
- Arbeiter:innen entscheiden sich besonders hähfig (30%) für die AfD, besonders selten für CDU, Grüne und SPD. Interessanterweise ist dies auch die einzige Gruppe, bei der die FDP nit an der 5%-Hürde scheitert. Bei Selbständigen liegen dagegen vor allem die Grünen, aber auch CDU und FDP über ihrem Gesamtergebnis - und die Linke mit 26% zumindest nicht darunter.
- Menschen in schlechter finanzieller Lage entscheiden sich besonders häufig für Linke oder AfD (32% bzw. 26%), dagegen nur zu jeweils 9% für CDU, Grüne oder SPD.
Diese Ergebnisse unterstreichen, dass die sozialen Themen wie die Wohnungsmisere bei den Wahlentscheidungen in Berlin häufig den Ausschlag gaben. Und sie zeigen die Erosion der früheren Volksparteien, die am stärksten noch von den Älteren gewählt werden. Entscheidend für den Wahlerfolg der Linken dürfte sein, dass sie sich am deutlichsten gegen die Wohnungsnot und das hohe Mietniveau in Berlin positionierte. Auch ganz praktisch: Im November 2024 stellte die Partei ihren Mietwucher-Rechner online, mit dem die eigene Miethöhe grob überprüft und bei Verdacht auf Mietwucher an das örtliche Wohnungsamt gemeldet werden kann.[2] Ebenso unterstützte die Linke - als einzige Partei neben den Grünen - vorbehaltlos den Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co enteignen“, dem 2021 fast 58% der Abstimmenden zustimmten.[3] Mit einem intensiven Straßen- und Haustürwahlkampf überflügelte ihre Präsenz - anders als in den meisten Bundesländern - sogar die der AfD.
Die Grünen konnten in insgesamt 78 Wahlkreisen 10 Direktmandate gewinnen, davon je drei in Mitte und in Tempelhof-Schöneberg; 2021 waren es noch 23. In der einstigen Grünen-Hochburg Friedrichshain-Kreuzberg gingen alle Direktmandate an die Linke. Die regionale Analyse zeigt, dass CDU, SPD und FDP weiterhin Westparteien sind, während Grüne und Linke in Berlin-Mitte sowie den Bezirken nördlich und südlich davon entlang der ehemaligen Grenze ihre stärksten Ergebnisse haben. AfD und BSW erzielen ihre größten Erfolge in den östlichen Bezirken.[4]
Nachdem sich die Grünen bereits vor der Wahl deutlich für ein Bündnis mit der Linkspartei ausgesprochen hatten, liegt eine rot-grün-rote Koalition nahe. Doch rechnerisch wäre auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD denkbar. Unmittelbar nach der Wahl, am 21.09., forderte jedoch der grüne Spitzenkandidat Werner Graf - wie schon zuvor Vertreter:innen anderer Parteien - eine "konsequente Auseinandersetzung der Linken mit Antisemitismus in den eigenen Reihen".[5] Bei Veranstaltungen, an denen der Linken-Kreisverband Neukölln beteiligt war, hatte es zuletzt Auftritte von militanten Unterstützer:innen der Palästinenser:innen mit Gewaltandrohungen gegen Israel gegeben, denen die Linken-Spitze nur halbherzig entgegengetreten war.[6]
Ergebnisse in den Bezirken[Bearbeiten]
Deutlich ist der Vorsprung der Linken auch in den Bezirkswahlen. In sechs der 12 Bezirksverordnetenversammlungen - Friedrichshain-Kreuzberg (40,1%), Mitte (33,7%), Neukölln (32%), Lichtenberg (30,4%), Pankow (26,7%)und Treptow-Köpenick (25,5%) - wurde die Linke stärkste Kraft, d.h. sie wird künftig die Bezirksbürgermeister:in stellen. In drei dieser Bezirke - Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Pankow - stehen die Grünen mit über 20% auf Platz 2. Vier Bezirke - Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau und Reinickendorf, allesamt im Westen der Stadt - konnte die CDU für sich gewinnen, in zwei dieser Bezirke wurden die Grünen ebenfalls mit mehr als 20% zweitstärkste Kraft. In Tempelhof-Schöneberg lagen die Grünen mit 22,7% relativ eng vor den Linken mit 20,3%. Nur den Bezirk Marzahn-Hellersdorf im Osten Berlins gewann die AfD, hier holte sie 33,8% vor den Linken mit 20,3%.[7] Da für die Wahl der Bezirksverordnetenversammlungen eine Sperrklausel von drei Prozent gilt, konnten auch kleine Parteien einige Erfolge vermelden: Volt, Tierschutzpartei und FDP schafften es jeweils in drei Bezirksparlamente.[8]
Fußnoten[Bearbeiten]
- ↑ rbb: +++ Linke klare Wahlsiegerin in Berlin +++ FDP, Volt und Tierschutzpartei in drei Bezirksparlamente gewählt +++, Liveticker zur Wahl, 21.09.2026, Eintrag von 11:16 Uhr
- ↑ Siehe dazu den Artikel Mietenkataster.
- ↑ Siehe wikipedia: Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ in Berlin 2021
- ↑ Zu diesen und vielen weiteren Einzelergebnissen siehe Wahlen Berlin, Wahl zum 20. Abgeordnetenhaus von Berlin am 20. September 2026
- ↑ rbb: +++ Linke klare Wahlsiegerin in Berlin +++ FDP, Volt und Tierschutzpartei in drei Bezirksparlamente gewählt +++, Liveticker zur Wahl, 21.09.2026, Eintrag von 10:17 Uhr
- ↑ Erinnert werden soll hier daran, dass Israelkritik und Antisemitismus nicht dasselbe sind. Relativ differenziert die Berichterstattung und Kommentierung von Erik Peter in der taz: Free Palestine und No Hamas, 08.08.2026; Von Gaza bis Neukölln, 05.09.2026
- ↑ rbb: Sechs Bezirke gehen an die Linke, vier an die CDU und je einer an Grüne und AfD, 21.09.2026
- ↑ rbb: +++ Linke klare Wahlsiegerin in Berlin +++ FDP, Volt und Tierschutzpartei in drei Bezirksparlamente gewählt +++, Liveticker zur Wahl, 21.09.2026
Siehe auch[Bearbeiten]
- rbb24: Einstürzende Gewissheiten, 21.09.2026