Littering

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Als Littering (engl. to litter = wegwerfen, verstreuen) wird das achtlose Wegwerfen z.B. von Kippen, Kaugummis und anderen Gegenständen bezeichnet, die die öffentlichen Wege verschmutzen und die Kosten für die Straßenreinigung erhöhen. Die Bundesländer geben mit entsprechenden Bußgeldkatalogen einen Rahmen vor, den die Kommunen ausschöpfen können, aber nicht müssen. Wirkung entfalten Bußgelder allerdings nur dann, wenn der städtische Vollzugsdienst über genügend Personal verfügt und ausreichend präsent ist, um Menschen vom Littering tatsächlich abzuhalten.

Kommunen reagieren auf solche Probleme teilweise aber auch mit mehr Abfallbehältern oder mit Öffentlichkeitskampagnen. Doch auch die Wirkung von mehr Abfallbehältern wird teilweise bezweifelt: Kommunen beobachten entweder, dass diese nicht genutzt und der Müll trotzdem in der Öffentlichkeit entsorgt wird oder dass Abfallbehälter mit häuslichem Müll gefüllt werden.[1] Eigene Kampagnen gibt es mancherorts gegen die Verschmutzung des öffentlichen Raums durch Kaugummis, teilweise werden auch technische Lösungen wir "Gum Walls" eingesetzt.[2]

Nicht unproblematisch: Zigarettenstummel[Bearbeiten]

Eine nicht geringe Umweltbelastung geht allein schon von Zigarettenstummeln aus. Nach Informationen des Deutschlandfunk verschmutzt eine einizige Kippe rund 40 l Grundwasser mit Nikotin, hinzu kommen Spuren von Arsen, Kupfer und Blei. Allein für Düsseldorf wird die Zahl der täglich auf die Straßen geworfenen Kippen auf eine Million geschätzt. Die Initiative "Die Aufheber" fordert daher die Einführung eines Pfandes auf Zigarettenverpackungen, das nur zurückckgezahlt wird, wenn die Verpackung mit den Kippen zurückgegeben wird.[3]

Situation in einigen Bundesländern[Bearbeiten]

  • Baden-Württemberg hat im Dezember 2018 einen neuen Bußgeldkatalog Umwelt in Kraft gesetzt, in dem der Bußgeldrahmen für solche Verstöße auf 250 € heraufgesetzt wurde. Ob die Kommunen diesen Rahmen ausschöpfen, entscheiden sie selbst. So hat beispielsweise Mannheim die Bußgelder für einige weggeworfene Gegenstände (einschl. liegen gelassenem Hundekot) auf bis zu 250 € erhöht, bei Kippen auf 75 €. Heidelberg fordert bis zu 80 €, bei Wiederholung bis zu 100 €; Freiburg im Breisgau erhebt je nach Gegenstand zwischen 25 und 100 €, nimmt aber Rücksicht auf Tourist/inn/en, die die Vorschriften nicht kennen. Stuttgart setzt daneben auf Aufstockung des städtischen Vollzugsdienstes, um mehr Müllsünder/innen dingfest zu machen. Einige Städte wie Schwäbisch Hall, Freiburg, Heidelberg und demnächst auch Stuttgart setzen daneben auf die Einführung von Pfandbechern.[4]
  • In Augsburg (Bayern) werden für Littering immerhin 40 € fällig.
  • In Brandenburg liegt der Bußgeldrahmen bereits sehr hoch: Potsdam fordert bei Verstößen bis zu 1.000 €, Cottbus bis zu 500 €. Lübben (Spreewald) verzichtet dagegen ganz auf Bußgelder; hier sprechen Politessen Müllsünder an, Vereine sorgen zusätzlich zur Stadtreinigung für Sauberkeit im Ort.[5]
  • In Niedersachsen endet der Bußgeldrahmen bei 50 €. Hannover versucht zusätzlich, ein eigenes Pfandsystem für die besonders problematischen Kaffeebecher zu etablieren.
  • In Nordrhein-Westfalen wurde der "Bußgeldkatalog Umwelt" im Frühjahr 2019 überarbeitet.[6] Einige Kommunen haben darauf reagiert: So erhöhte Köln das Bußgeld für das Wegwerfen einer Zigarettenkippe auf 50 €, in Lüdenscheid kostet es sogar 100 €, Krefeld plant diesen Betrag ebenfalls einzuführen. In anderen Städten NRWs werden zwischen 10 und 40 € fällig (Stand September 2019).[7]
  • In Dresden (Sachsen) beträgt die übliche Gebühr 20 €, im Einzelfall auch mehr.
  • Erfurt (Thüringen) setzt auch auf Abfallvermeidung; so sind bei städtischen Veranstaltungen die Abgabe von Getränken in Wegwerfbechern oder Portionspackungen etwa für Senf verboten. Mit der Kampagne Nicht von Pappe – Erfurt auf dem Mehrweg! soll vor allem für die Nutzung von Mehrwegbechern für Kaffe geworben werden.[8] Die Mensa in Weimar gilt als erste "pappbecherfreie" Mensa in Deutschland.[9]

Österreich[Bearbeiten]

In Wien patroullieren seit 2008 sog. "Waste Watcher" auf den Straßen, um "Müllsünder" dingfest zu machen und sofort Bußgelder zu kassieren. Ihre Zahl beträgt mittlerweile (Stand: 2017) 50 Personen. Die Bußgelder wurden 2017 vom Landtag Wien auf bis zu 90 € erhöht. 2016 wurden 5473 Bußgelder verhängt, dabei kamen rund 250.000 € zusammen.[10]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. ZDF heute, Städte erhöhen Strafen im Kampf gegen Müll, 21.04.2019; Reutlinger General-Anzeiger, Wie Städte gegen Müllsünder kämpfen, 21.04.2019; Kreiszeitung, „Müll to go“: So gehen Städte und Gemeinden gegen Dreck auf den Straßen vor, 21.04.2019; LR online: To-go-Trend und Faulheit müllen Städte zu, 09.05.2019
  2. Süddeutsche Zeitung: "Gum Wall" und Kampagnen gegen eklige Kaugummi-Flecken, 25.08.2019; zu Frankfurt am Main siehe Süddeutsche Zeitung: "Gum-Walls" sollen Kaugummi-Müll auf Straßen eindämmen, 29.10.2019
  3. Deutschlandfunk, Kampf gegen Kippenschnippen, 11.09.2019
  4. Süddeutsche Zeitung: Neuer Pfandbecher gegen Stuttgarts Coffee-to-go-Müllberg, 07.10.2019
  5. ntv: Müll in Parks: Strafen schrecken kaum ab, 25.04.2019; LR online: To-go-Trend und Faulheit müllen Städte zu, 09.05.2019
  6. Download: Der überarbeitete Teil "Abfall" des Bußgeldkataloges des Landes NRW; siehe auch Umweltministerium NRW, Bußgeldkatalog für den Bereich Abfall, 04.06.2019; ntv, Alte Kippen: Umweltministerin nimmt Kommunen in die Pflicht, 13.04.2019; Westdeutsche Zeitung, Kaugummis und Kippen wegwerfen wird teurer, 28.04.2019
  7. Deutschlandfunk, Kampf gegen Kippenschnippen, 11.09.2019
  8. ntv, Wie Thüringer Kommunen Müll vermeiden wollen, 25.05.2019
  9. inSüdthüringen, Kommunen beklagen zu viel Müll in den Innenstädten, 25.05.2019
  10. focus: Müll-Polizei in Wien: 5500 Strafen für Kippen und Kot, 03.03.2017

Literatur und Weblink[Bearbeiten]

  • Verband Kommunaler Unternehmen: Wahrnehmung von Sauberkeit und Ursachen von Littering, gemeinsame Studie von Großstädten mit der Humboldt-Universität zu Berlin, VKU-Information 93, 22 Euro (für Mitglieder des VKU) bzw. 28 Euro (für Nichtmitglieder) zzgl. MwSt. und Versandkosten
  • "Die Aufheber", Initiative zur Vermeidung und Beseitigung von Müll in der Umwelt und den Straßen der Stadt

Siehe auch[Bearbeiten]