Kommunalwahlen in Bayern 2026

Aus KommunalWiki

Dieser Artikel in work in progress und wird bis Ende März 2026 laufend aktualisiert.

Die Kommunalwahlen am 8. März 2026 in Bayern brachten erwartungsgemäß starke Gewinne für die AfD, deutliche Verluste für die Grünen und geringere Verluste für CSU und SPD. Die CSU bleibt mit landesweit 32,5% der Stimmen[1] die stärkste Kraft und stellt fast überall die größte Fraktion; die entsprechende Landkarte zeigt sich blau mit drei roten und zwei grünen Tupfern.[2] Dennoch erzielte sie das schlechteste Ergebnis seit 1952. Es folgen die Grünen mit 13,6%; sie verloren 3,9%, was angesichts des Bundestrends als glimpflich bezeichnet werden kann. SPD, Freie Wähler und AfD liegen mit landesweit 12,3, 12,1 bzw. 12,2% nahezu gleichauf; dabei konnte die AfD ihr Ergebnis von 2020 (4,5%) auf 12,2% fast verdreifachen, während die SPD leicht verlor und die Freien Wähler geringfügig hinzugewannen. Wählergruppen und "Sonstige" (inkl. FDP und Listenverbindungen) kamen landesweit auf 9,1%, sie stellen an manchen Orten gerade im ländlichen Raum eine relevante Größe dar. Die Wahlbeteiligung stieg zum zweiten Mal in Folge deutlich.

Damit haben die Grünen jetzt landesweit 666 Sitze in kommunalen Vertretungen. dies sind weniger, als z.B. die AfD erzielen konnte (711), was daran liegt, dass die Grünen eher in größeren Städten punkten, während die AfD im ländlichen Raum - wo es mehr kommunale Gremien gibt - stärker gewinnen konnte.

Die Ergebnisse als Tabelle[Bearbeiten]

Ergebnisse der Kommunalwahlen 2026 in Bayern
(Stadtratswahlen der kreisfreien Städte und Kreistagswahlen)
Wahlvorschlag 2026 2020 Änderung
CSU 32,5 34,4 -1,9
GRÜNE 13,6 17,5 -3,9
SPD 12,3 13,7 -1,4
AfD 12,2 4,5 +7,5
Freie Wähler 12,1 11,9 +0,2
Sonstige* 9,1 8,6 ±0,0
Wählergruppen 8,2 8,1 -0,4
Wahlbeteiligung 63,4 58,7 +4,7

*einschließlich FDP und gemeinsamer Wahlvorschläge

Besondere Erfolge der Grünen[Bearbeiten]

Im Wahlkampf hatten die Grünen die Themen bezahlbare Mieten, zukunftsfähige Dörfer, eine Politik für Kinder und Jugendliche, Natur- und Klimaschutz sowie erneuerbare Energie in den Vordergrund gestellt.[3] In rund 100 Orten, in denen sie bisher nicht präsent waren, entsenden sie jetzt Vertreter:innen in die Kommunalvertretungen. Obwohl sie über ein Viertel ihrer vormaligen Stimmanteile verloren haben, bewerten sie die Kommunalwahl als Erfolg. Das liegt u.a. daran, dass eine Reihe grüner Bürgermeisterkandidat:innen schon im ersten Wahlgang gewählt wurden:

  • Georg Reinthaler (Eiselfing, Oberbayern)
  • Hubert Vögele (Inning am Ammersee, Oberbayern)
  • Mathias Endres (Röfingen, Schwaben)
  • Evi Gerngroß-Keller (Trunkelsberg, Schwaben)
  • Florian Questel (Ahorntal, Oberfranken)
  • Sebastian Hansen (Waldbüttelbrunn, Unterfranken)
  • Martin Heilig (Würzburg, Unterfranken; gewählt im Mai 2025)
  • Christian Stück (Kirchheim, Unterfranken; gewählt im Januar 2024)

22 weitere grüne Kandidat:innen schafften es in die Stichwahl; allein fünf von ihnen bewarben sich um ein Amt als Oberbürgermeister:in.

Weiterhin blieben die Grünen in München mit 26,5% stärkste Kraft im Stadtrat, ebenso in Würzburg mit 31,3% der Stimmen[4]. Auch in Dießen am Ammersee liegen die Grünen mit 24,2% knapp vorn. Als Erfolg werten die Grünen auch, dass sie 2026 in 102 Orten mehr als noch vor sechs Jahren Listen aufstellen konnten, so dass sie deutlich flächendeckender präsent sind.[5]

Situation in München[Bearbeiten]

Die Grünen sind in München stärkste Kraft im Stadtrat. Zwar verloren sie 2,9 Prozentpunkte, blieben mit 26,5% jedoch weiterhin vorn, gefolgt von der CSU (24,9%) und der SPD (19,2%) - letztere ebenfalls mit Verlusten. Weitere relevante Fraktionen im Rat sind die Linke (6,6%, verdoppelt), die AfD (5,9%, hinzugewonnen) und die Europapartei Volt (4,7%, hinzugewonnen).[6] Mit dem Ergebnis kann die grün-rote Rathauskoalition fortgesetzt werden, was die Grünen auch nach dem Wahlsieg von Dominik Krause anstreben.

Dominik Krause wird grüner OB in München[Bearbeiten]

Die Stichwahlen fanden am 22.03. statt. In München konnte der grüne Kandidat Dominik Krause die Stichwahl für sich entscheiden. Mit 56,4% der Stimmen gewann er gegen den bundesweit bekannten Sozialdemokraten Dieter Reiter, der zuletzt wegen Nebeneinnahmen im Zusammenhang mit Ämtern beim FC Bayern München ins Gerede geraten war. Im ersten Wahlgang lag Reiter noch mit 35,6% vor Krause mit 29,5%. Der grüne Kandidat setzte sich durch, obwohl die CSU im zweiten Wahlgang zur Wahl Reiters aufgerufen hatte.[7] Krause ist seit 12 Jahren im Stadtrat und war zuletzt zweiter Bürgermeister.

Dieter Reiter erklärte unmittelbar nach der Auszählung seine politische Karriere für beendet. Er löschte seine Social-Media-Accounts und meldete sich am 23.03. krank, so dass Krause als sein Stellvertreter die Amtsgeschäfte de facto sofort übernahm, obwohl die offizielle Amtsübernahme erst am 01.05.2026 erfolgt.[8]

In Kommentaren werden Verbindungen zwischen der Wahlentscheidung in München und anderen Erfolgen linker oder links-grüner Kandidaturen in Metropolen gezogen, beispielsweise der Wahlsieg von Emmanuel Grégoire in Paris, der als früherer Mitarbeiter der Bürgermeisterin Hidalgo deren fortschrittliche Verkehrs- und Wohnungspolitik fortsetzen will,[9] oder Zohran Mamdani, der mit einem explizit linken Programm in New York das Bürgermeisteramt erreichte, das er seit Anfang 2026 ausübt.[10] In vielen Großstädten wird die Abkehr von einer autozentrierten Verkehrspolitik und das Ziel, Wohnen wieder bezahlbar zu machen, mehrheitsfähig - auch die Wahl von Belit Onay zum OB in Hannover stützt diese Sicht.

Weitere grüne Stichwahl-Erfolge[Bearbeiten]

Ebenfalls erfolgreich war Dr. Daniel Holmer, der mit 51,6% der Stimmen das Bürgermeisteramt in Gröbenzell gegen Jens Wacken von der CSU gewann. Ebenso Daniel Schaefer, der in Elchingen mit 51,0% Bürgermeister wurde,[11] und Michael Burger in Bergtheim mit 59,3%. In Neuburg an der Donau gewann der Grüne Gerhard Schoder, der von Grünen und SPD gemeinsam aufgestellt worden war, mit 58,8% die Stichwahl.[12]

Nicht durchsetzen konnten sich in den Stichwahlen die grünen Kandidat:innen Jonas Glüsenkamp (Bamberg, 43,3%), Christoph Rabl (Landshut, 47,5%). Nico Heitz (Freising, 39,2%), Johanna Zapf (Unterhaching, 47,3%), Dr. Matthias Ilg (Gauting, 40,9%), Severin Kistner (Starnberg, 43,3%), Michael Kimberger (Langenzenn, 44,8%), Kieran Smolka (Dießen am Ammersee, 48,5%), Anke Lunemann (Hohenbrunn, 43,6%), Ricarda Weimar (Krailling, 39,7%), Christian Meidinger (Neufahrn bei Freising, 49,0%), Manfred Eschenbacher (Lichtenau(Ansbach), 47,4%) sowie Martin Küpper (Zell am Main, 43,6%). In Pullach verlor die grüne Amtsinhaberin Susanna Tausendfreund mit 45,4% ihr Amt an Christine Eisenmann von der CSU.

Im Landkreis Landsberg am Lech regiert jetzt mit Daniela Groß eine grüne Landrätin, die im zweiten Wahlgang 61,5% der Stimmen auf sich vereinigen konnte.[13] Dagegen trat der grüne Landrat im Landkreis Miltenberg, Jens Marco Scherf, nicht mehr an, das Amt fiel an die CSU. Im Landkreis Fürstenfeldbruck konnte sich die grüne Kandidatin Ronja von Wurmb-Seibel mit 43,5% nicht gegen den CSU-Amtsinhaber durchsetzen. Dasselbe gilt für die grünen Kandidat:innen Marion Seitz (Kreis München-Land, 36,8%), Sven Winzenhörlein (Landkreis Würzburg, 42,2%) und Alexander Heisler (Landkreis Dachau, 41,2%).[14]

Trotz mancher verlorener Stichwahl zeigt die Tatsache, dass viele Grüne in die zweite Runde der Wahl kamen, wie auch die respektablen Ergebnisse, wie sehr Grüne in der Kommunalpolitik auch in Bayern angekommen sind - nicht nur in den größeren Städten.

Bemerkenswert ist weiter, dass die Freien Wähler die Zahl ihrer Landrät:innen von 14 auf 28 verdoppeln konnten, wobei zumeist CSU-Kandidat:innen das Nachsehen hatten. Die Wahlbeteiligung bei den Stichwahlen lag teils deutlich unter der im ersten Wahlgang.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Die hier verwendeten Zahlen beziehen sich auf die Wahlen zu den Kreistagen und den Stadträten der kreisfreien Städte. Die Gemeindeergebnisse können sich hiervon unterscheiden.
  2. Bayerisches Landesamt für Statistik: Kommunalwahlen 2026, Grafik: Stimmenmehrheiten 2026
  3. Grüne Bayern: Kommunalwahl 2026
  4. Siehe im Einzelnen: Mainpost, Kommunalwahl 2026 in Würzburg: Alle Ergebnisse und die Namen der Stadträte, 10.03.2026
  5. Grüne Bayern: Bayern wird noch grüner – GRÜNE übertreffen Listen-Rekord, 24.02.2026
  6. muenchen.de: Wahl des Stadtrats, Vorläufiges Ergebnis, 11.03.2026. Über das Menü lassen sich weitere Münchener Ergebnisse finden.
  7. Süddeutsche: CSU-Spitze ruft zur Wahl von Dieter Reiter auf, 15.03.2026, mit weiteren Links
  8. BR24: Reiter meldet sich nach Wahlpleite krank – Krause übernimmt, 23.03.2026; ntv: München-OB Reiter meldet sich nach Wahlpleite krank, 23.03.2026; Welt: OB Reiter krankgeschrieben – Nachfolger Krause übernimmt früher, 24.03.2026
  9. Tagesspiegel: Das ist der Mann, der jetzt Paris regiert, 23.03.2026
  10. Zeit: Bürgermeister Mamdani will Regierungsfähigkeit der Linken beweisen, 02.01.2026
  11. Seine Gegenkandidatin Gruß war Bundestagsabgeordnete und von 2009 bis 2013 Generalsekretärin der FDP in Bayern.
  12. Zeit: Grüner Oberbürgermeister für Neuburg an der Donau, 23.03.2026
  13. Süddeutsche: Die einzige im Freistaat: Landsberg bekommt eine grüne Landrätin, 22.03.2026
  14. Alle Stichwahlergebnisse und weitere Informationen bei BR, Sensation in München: Krause gewinnt Stichwahl gegen Reiter, 22.03.2026; BR24: Kommunalwahl Bayern: Die Stichwahl in der Ticker-Nachlese, 22.03.2026. Siehe zur Wahlnacht im München auch: Süddeutsche, Dieter Reiters Instagram- und Facebook-Account nicht mehr auffindbar, 23.03.2026

Siehe auch[Bearbeiten]