Kommunalwahlen in Niedersachsen 2026
Der folgende Artikel wurde am 14.09.2026, einen Tag nach der Wahl, erstellt und wird in den kommenden Wochen ergänzt und aktualisiert.
Kurzer Überblick[Bearbeiten]
Bei den Kommunalwahlen am 13.09.2026 in Niedersachsen bestätigte sich, was schon vor fünf Jahren deutlich sichtbar war: Die Welt der traditionellen Parteien ist hier noch fast in Ordnung. CDU, SPD und FDP zusammen erzielten in Kreistagen und kreisfreien Städten über 55%, in den kreisangehörigen Gemeinden noch etwas mehr. Doch auch an Niedersachsen geht der allgemeine Trend nicht vorbei. Die CDU verlor etwas mehr als bei der vorangegangenen Wahl, bleibt aber landesweit stärkste Kraft. Etwas stärker fallen die Verluste der SPD aus, doch ist sie von ihrer Schwäche in anderen Bundesländern weit entfernt und belegt weiterhin Platz zwei. Die AfD kann ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdreifachen, bleibt dabei aber immer noch deutlich hinter ihren ostdeutschen Landesverbänden zurück. Knapp hinter der AfD liegen die Grünen mit leichten Verlusten. Die Linke konnte ihre Stimmen und Sitze mehr als verdoppeln, während sich die FDP - auch das entspricht dem Bundestrend - fast halbierte. Die Wählergruppen sind in vielen kreisangehörigen Gemeinden mit landesweit fast 13% eine relevante Kraft, in Kreisen und kreisfreien Städten deutlich weniger stark. Die Wahlbeteiligung stieg deutlich auf 64,6% an, was zu guten Teilen daran liegen dürfte, dass die AfD bisherige Nichtwähler*innen mobilisierte.
Vorläufiges Ergebnis der Kreistagswahlen[Bearbeiten]
Die Wahl zu den Kreistagen der Landkreise und kreisfreien Städte ging nach dem vorläufigen Ergebnis (Stand 14.09.2026 nachmittags) folgendermaßen aus:
| Partei | Ergebnis 2021 | Ergebnis 2016 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| CDU | 27,2 | 31,7 | -4,5 |
| SPD | 24,6 | 30,0 | -5,4 |
| AfD | 15,9 | 4,6 | +11,3 |
| Grüne | 14,1 | 15,9 | -1,8 |
| Linke | 6,0 | 2,8 | +3,2 |
| FDP | 3,7 | 6,5 | -2,8 |
| Wählergruppen* | 5,7 | 6,1 | -0,4 |
| Sonstige | 2,8 | 2,4 | +0,4 |
| Wahlbeteiligung | 64,6 | 57,0 | +7,6 |
* einschl. Freie Wähler
Unter den "Sonstigen" ist erwähnenswert:
- Die Europapartei Volt kann ihr Ergebnis von 2021 auf niedrigem Niveau vervierfachen und hat jetzt 17 Sitze in Kommunalvertretungen (bislang 5) In den kreisangehörigen Gemeinden erreichte sie 22 statt vormals 3 Sitze..
- Das BSW, das vor fünf Jahren noch nicht existierte, erreicht landesweit 1 Prozent und 23 Sitze in Kreistagen und kreisfreien Städten, in kreisangehörigen Gemeinden 0,5% und 30 Sitze.
- Die rechtsextreme "Basis" (vormals NPD) verlor ihre wenigen Sitze fast vollständig, vermutlich an die AfD.
- "Die PARTEI" reduzierte ihre Sitze in Kreisen und kreisfreien Städten von 16 auf 10, in den kreisangehörigen Gemeinden von 27 auf 13.
Vorläufiges Ergebnis der Gemeinderatswahlen[Bearbeiten]
Bei den Wahlen in den Gemeinden (ohne kreisfreien Städte) gab es nach dem vorläufigen Ergebnis (Stand 14.09.2026) folgende Resultate:
| Partei | Ergebnis 2021 | Ergebnis 2016 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| CDU | 28,7 | 32,8 | -4,2 |
| SPD | 25,3 | 30,2 | -4,7 |
| AfD | 11,1 | 2,1 | +8,9 |
| Grüne | 12,6 | 13,7 | +4,4 |
| Linke | 4,0 | 1,7 | +2,3 |
| FDP | 3,1 | 5,2 | -2,1 |
| Wählergruppen* | 12,9 | 12,4 | +0,5 |
| Sonstige | 2,3 | 1,9 | +0,4 |
| Wahlbeteiligung | 65,2 | 57,7 | +7,5 |
* einschl. Freie Wähler
In den kleineren Gemeinden spielen Wählergruppen traditionell eine größere Rolle; das schmälert das Ergebnis der kleineren Parteien. Die im Vergleich zu den Kreistagen schwächeren Ergebnisse von AfD und BSW liegen aber auch daran, dass diese Parteien nicht flächendeckend Kandidat*innen aufzuweisen hatten.
Ergebnisse der Grünen[Bearbeiten]
Für die Grünen bedeutet das Wahlergebnis, dass sie in Kreisen und kreisfreien Städten jetzt 305 (zuvor 350) Sitze haben, in den kreisangehörigen Gemeinden 1.200 (statt 1.323). Weiterhin, wenn auch knapp stärkste Kraft blieben sie in Oldenburg (24,9%) und Osnabrück (24,7%) (zugleich die für die AfD schwächsten Wahlkreise), starke Ergebnisse nahe bei 20% erzielten die Grünen auch in der Region Hannover, im Kreis Lüneburg und in Braunschweig. Unter 10% liegen sie dagegen in vielen landwirtschaftlich geprägten Wahlkreisen und in der Autostadt Wolfsburg. Die Hochburgen der Linken decken sich weitgehend mit denen der Grünen.[1] Unter den kreisangehörigen Gemeinden sticht das grüne Ergebnis in Göttingen (Gemeinde mit Sonderstatus) hervor, hier wurden sie mit 28,6% stärkste Kraft, ebenso in der Stadt Lüneburg mit 29,3%.
Direktwahlen[Bearbeiten]
Gleichzeitig mit der Wahl von Kreistagen, Stadt- und Gemeinderäten wurden in vielen Orten und Kreisen auch (Ober-)Bürgermeister:innen und Landrät:innen neu gewählt. Auch hier ist Göttingen zu nennen: Die grüne Kandidatin Onyeka Oshionwu, bislang schon Ratsmitglied und ehrenamtliche Bürgermeisterin, erreichte im ersten Wahlgang 41,4% und tritt in der Stichwahl am 27.09. gegen den CDU-Kandidaten Ehsan Kangarani an. Damit enden dort 15 Jahre SPD-Herrschaft. Auch Belit Onay kam in Hannover mit 45,6% in die Stichwahl und hat gute Aussichten, diese gegen den Sozialdemokraten Axel von der Ohe (21,5%) zu gewinnen. Bereits im ersten Wahlgang wurde in der Samtgemeinde Tostedt die Grüne Nadja Weippert in das Bürgermeisterinnenamt gewählt, ebenso Christoph Kröger in der Samtgemeinde Jesteburg und Anne Krimphoff in Bad Laer. Weitere Grüne, die in die Stichwahl kamen, sollen hier vorerst nur aufgezählt werden:
- Kandidierende für das Landrät:innenamt: Kim Fürwentsches (Landkreis Osterholz-Scharmbeck), Anna Kebschull (Landkreis Osnabrück)
- OB-Kandidat:innen: Jascha Rohr (Oldenburg), Claudia Kalisch (Lüneburg), Volker Bajus (Osnabrück)
- Bürgermeister:in-Kandidat:innen: Jaqueline Günther (Brake), Stefan Fuchs (Rotenburg), Saskia Zwilling (Achim), Martin Feller (Bevensen-Ebstorf), Eike Weiss (Elbtalaue)[2]
Die Direktwahlen in Niedersachsen fanden auch deshalb Beachtung, weil mehrere von der AfD aufgestellte Kandidat:innen nicht zugelassen wurden. Grund: Als Wahlbeamte müssen sie die Gewähr bieten, jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzutreten, dies sahen die Wahlausschüsse nicht in jedem Fall gegeben. Siehe dazu den Artikel Ausschluss von AfD-Kandidat:innen von Landrats- und Bürgermeisterwahlen.
Fußnoten[Bearbeiten]
- ↑ Alle Wahlkreise lassen sich in einer Kartenansicht des Statistischen Landesamtes betrachten. Mehr Analysedaten, häufig als pdf, sind hier zu finden: Landesamt für Statistik Niedersachsen, Vorläufiges Ergebnis der Kommunalwahlen am Sonntag, den 13. September 2026.
- ↑ Siehe dazu die interaktive Karte auf der Homepage der Grünen Niedersachsen
Weitere Quellen:[Bearbeiten]
- Welt: AfD vervierfacht in Stade – Göttinger Grüne mit über 40 Prozent – Influencer schlägt CDU und SPD (14.09.2026)
- taz: Grüne bleiben stabil (14.09.2026)
- KOMMUNAL: Kommunalwahl Niedersachsen 2026 LIVE: CDU vorn, AfD in Salzgitter stärkste Kraft – alle Ergebnisse, 14.09.2026
- Deutschlandfunk: CDU vor SPD bei Kommunalwahlen in Niedersachsen – Zuwächse für AfD und Linke, 14.09.2926